Posts

Suizidale Anteile bei DIS: Wenn ein Teil nicht mehr leben will

Bei einer Dissoziativen Identitätsstörung kann Suizidalität anders erlebt werden als bei Menschen ohne dissoziative Anteile. Das bedeutet nicht, dass sie weniger ernst ist. Im Gegenteil: Sie kann sehr plötzlich, sehr heftig und sehr überwältigend auftreten. Manchmal ist nicht das gesamte innere System suizidal, sondern ein bestimmter Anteil .  Ein Anteil, der keinen Ausweg mehr sieht. Ein Anteil, der früher etwas erlebt hat, das für ihn bis heute nicht vorbei ist. Ein Anteil, der nicht sterben will, weil er das Leben grundsätzlich ablehnt, sondern weil er will, dass ein unerträglicher Zustand endlich aufhört. - Das ist ein wichtiger Unterschied. Suizidale Anteile sind oft keine „gefährlichen Fremdkörper“ im Inneren. Sie sind meistens verletzte, verzweifelte oder traumagebundene Teile des Systems. Sie tragen Erinnerungen, Gefühle, Körperzustände oder Überzeugungen, die aus einer Zeit stammen, in der es wirklich keinen Ausweg gab. Oder in der es sich zumindest so angefühlt hat. Für d...

Arbeitsblatt: "Suchtverhalten - wer war das - und warum?"

Innere Kommunikation rund um Suchtverhalten: Wer war das - und warum? Hinweis: Du musst nichts beantworten, was sich gerade nicht richtig anfühlt. Wenn ein Abschnitt triggert oder zu viel wird, ist es in Ordnung, ihn zu überspringen oder später zurückzukehren. Teil 1: Ankommen – was passiert gerade?  Welches Verhalten beschäftigt mich heute? ☐ Alkohol / Substanzen ☐ Medikamente ☐ Handy / Social Media ☐ Online-Shopping ☐ Essen / Nicht-Essen ☐ Etwas anderes: ___________________________________ Wie geht es mir gerade, während ich das aufschreibe? (Gefühle, Körperempfindungen, innere Reaktionen – was auch immer da ist.) ☐ Ich fühle mich ruhig ☐ Ich fühle mich angespannt / unruhig ☐ Ich fühle mich taub / leer ☐ Ich fühle Scham ☐ Ich fühle Erleichterung, dass ich hinschaue ☐ Ich bin mir nicht sicher, wer gerade „da" ist ☐ Anderes: ___________________________________ Teil 2: Den Anteil kennenlernen Dieser Abschnitt lädt dich ein, dich dem Anteil zu nähern, der das Verhalten trägt – nicht...

DIS und Suchtverhalten – Wenn der Schmerz einen Ausweg sucht

DIS und Suchtverhalten – Wenn der Schmerz einen Ausweg sucht Ein Beitrag über Selbstmedikation, Kontrollverlust und die Frage, wer eigentlich trinkt, scrollt oder kauft. Pakete, die ankommen und niemanden überraschen sollten – und es doch tun. Eine Bestellhistorie voller Dinge, an deren Kauf sich niemand erinnert. Ein Konto, das am Monatsende nicht aufgeht, ohne dass jemand sagen könnte, wann genau es passiert ist. Oder eine Flasche, die leer ist, obwohl niemand getrunken haben will. Stunden auf dem Handy, die vergangen sind, ohne dass jemand sagen könnte, was er oder sie dort eigentlich getan hat. Das sind keine Ausnahmen. Für viele Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung ist das Alltag. Suchtverhalten bei DIS ist ein Thema, über das erschreckend wenig gesprochen wird – weder in der Traumatherapie noch in der Suchtberatung, weder in der Forschung noch in der Öffentlichkeit. Dabei ist es für einen erheblichen Teil der Betroffenen eine alltägliche Realität, die massive Auswirkungen...

Ressourcenarbeit bei DIS

Ressourcenarbeit ist ein Standardthema in der Traumatherapie. Bei Dissoziativer Identitätsstörung funktioniert sie aber anders als in den meisten Ratgebern beschrieben – weil das System keine homogene Einheit ist. Dieser Artikel erklärt, was Ressourcenarbeit bei DIS bedeutet, warum sie kompliziert sein kann, und was konkret helfen kann. Was ist eine Ressource?  Eine Ressource ist alles, was das Nervensystem reguliert, stabilisiert oder Kraft gibt. Das klingt vage. Konkreter: Äußere Ressourcen – Dinge außerhalb des Körpers: Bestimmte Menschen (Freunde, Therapeutin, Haustier) Bestimmte Orte (ein Zimmer, ein Park, eine Bank am See) Bestimmte Gegenstände (Decke, Stein, Kuscheltier, Schmuck) Bestimmte Aktivitäten (Spaziergang, Zeichnen, Kochen, Zocken) Bestimmte Medien (eine Serie, ein Lied, ein Buch, ein Podcast) Innere Ressourcen – Dinge innerhalb: Erinnerungen an sichere Momente Körpergefühle, die sich gut anfühlen (z.B. Wärme, Schwere, Stille) Eigene Fähigkeiten und Stärken Imaginie...

Co-Regulation bei Dissoziativer Identitätsstörung - wenn Sicherheit von außen kommt

Was bedeutet "Co-Regulation"? Co-Regulation ist keine Technik, die man anwendet. Sie ist auch keine Methode, die man lernt wie Atemübungen oder progressive Muskelentspannung. Co-Regulation ist ein biologischer Prozess – so fundamental wie Atmen oder Schlafen. Das menschliche Nervensystem ist von Grund auf ein soziales Organ. Es ist nicht dafür gebaut, alleine zu regulieren. In der frühen Kindheit ist das besonders deutlich: Ein Säugling hat keinerlei Kapazität zur Selbstregulation. Wenn er schreit, kommen Stresshormone hoch – Cortisol flutet den Körper, das Herz rast, der Atem wird flach. Die einzige Möglichkeit, diesen Zustand wieder zu verlassen, ist eine regulierende Außenperson: eine Bezugsperson, die kommt, trägt, wiegt, spricht, wärmt. Das Nervensystem des Kindes synchronisiert sich mit dem der Bezugsperson. Es beruhigt sich – nicht weil das Kind etwas gelernt hat, sondern weil das Nervensystem der Erwachsenen buchstäblich die Regulation übernimmt. Dieses Prinzip versch...