Posts

Arbeitsblatt: "Suchtverhalten - wer war das - und warum?"

Innere Kommunikation rund um Suchtverhalten: Wer war das - und warum? Hinweis: Du musst nichts beantworten, was sich gerade nicht richtig anfühlt. Wenn ein Abschnitt triggert oder zu viel wird, ist es in Ordnung, ihn zu überspringen oder später zurückzukehren. Teil 1: Ankommen – was passiert gerade?  Welches Verhalten beschäftigt mich heute? ☐ Alkohol / Substanzen ☐ Medikamente ☐ Handy / Social Media ☐ Online-Shopping ☐ Essen / Nicht-Essen ☐ Etwas anderes: ___________________________________ Wie geht es mir gerade, während ich das aufschreibe? (Gefühle, Körperempfindungen, innere Reaktionen – was auch immer da ist.) ☐ Ich fühle mich ruhig ☐ Ich fühle mich angespannt / unruhig ☐ Ich fühle mich taub / leer ☐ Ich fühle Scham ☐ Ich fühle Erleichterung, dass ich hinschaue ☐ Ich bin mir nicht sicher, wer gerade „da" ist ☐ Anderes: ___________________________________ Teil 2: Den Anteil kennenlernen Dieser Abschnitt lädt dich ein, dich dem Anteil zu nähern, der das Verhalten trägt – nicht...

DIS und Suchtverhalten – Wenn der Schmerz einen Ausweg sucht

DIS und Suchtverhalten – Wenn der Schmerz einen Ausweg sucht Ein Beitrag über Selbstmedikation, Kontrollverlust und die Frage, wer eigentlich trinkt, scrollt oder kauft. Pakete, die ankommen und niemanden überraschen sollten – und es doch tun. Eine Bestellhistorie voller Dinge, an deren Kauf sich niemand erinnert. Ein Konto, das am Monatsende nicht aufgeht, ohne dass jemand sagen könnte, wann genau es passiert ist. Oder eine Flasche, die leer ist, obwohl niemand getrunken haben will. Stunden auf dem Handy, die vergangen sind, ohne dass jemand sagen könnte, was er oder sie dort eigentlich getan hat. Das sind keine Ausnahmen. Für viele Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung ist das Alltag. Suchtverhalten bei DIS ist ein Thema, über das erschreckend wenig gesprochen wird – weder in der Traumatherapie noch in der Suchtberatung, weder in der Forschung noch in der Öffentlichkeit. Dabei ist es für einen erheblichen Teil der Betroffenen eine alltägliche Realität, die massive Auswirkungen...

Ressourcenarbeit bei DIS

Ressourcenarbeit ist ein Standardthema in der Traumatherapie. Bei Dissoziativer Identitätsstörung funktioniert sie aber anders als in den meisten Ratgebern beschrieben – weil das System keine homogene Einheit ist. Dieser Artikel erklärt, was Ressourcenarbeit bei DIS bedeutet, warum sie kompliziert sein kann, und was konkret helfen kann. Was ist eine Ressource?  Eine Ressource ist alles, was das Nervensystem reguliert, stabilisiert oder Kraft gibt. Das klingt vage. Konkreter: Äußere Ressourcen – Dinge außerhalb des Körpers: Bestimmte Menschen (Freunde, Therapeutin, Haustier) Bestimmte Orte (ein Zimmer, ein Park, eine Bank am See) Bestimmte Gegenstände (Decke, Stein, Kuscheltier, Schmuck) Bestimmte Aktivitäten (Spaziergang, Zeichnen, Kochen, Zocken) Bestimmte Medien (eine Serie, ein Lied, ein Buch, ein Podcast) Innere Ressourcen – Dinge innerhalb: Erinnerungen an sichere Momente Körpergefühle, die sich gut anfühlen (z.B. Wärme, Schwere, Stille) Eigene Fähigkeiten und Stärken Imaginie...

Co-Regulation bei Dissoziativer Identitätsstörung - wenn Sicherheit von außen kommt

Was bedeutet "Co-Regulation"? Co-Regulation ist keine Technik, die man anwendet. Sie ist auch keine Methode, die man lernt wie Atemübungen oder progressive Muskelentspannung. Co-Regulation ist ein biologischer Prozess – so fundamental wie Atmen oder Schlafen. Das menschliche Nervensystem ist von Grund auf ein soziales Organ. Es ist nicht dafür gebaut, alleine zu regulieren. In der frühen Kindheit ist das besonders deutlich: Ein Säugling hat keinerlei Kapazität zur Selbstregulation. Wenn er schreit, kommen Stresshormone hoch – Cortisol flutet den Körper, das Herz rast, der Atem wird flach. Die einzige Möglichkeit, diesen Zustand wieder zu verlassen, ist eine regulierende Außenperson: eine Bezugsperson, die kommt, trägt, wiegt, spricht, wärmt. Das Nervensystem des Kindes synchronisiert sich mit dem der Bezugsperson. Es beruhigt sich – nicht weil das Kind etwas gelernt hat, sondern weil das Nervensystem der Erwachsenen buchstäblich die Regulation übernimmt. Dieses Prinzip versch...

Arbeitsblatt: "Derealisation verstehen & handhabbar machen"

Arbeitsblatt: Derealisation verstehen & handhabbar machen 1. Frühe Anzeichen erkennen Kreuze an oder ergänze: ☐ Farben wirken verändert (blass / grell) ☐ Geräusche wirken dumpf oder weit weg ☐ Ich fühle mich „nicht ganz da“ ☐ Konzentration wird schwer ☐ Körper fühlt sich leicht / schwer / fremd an ☐ Gedanken werden neblig ☐ Zeitgefühl verändert sich Meine persönlichen Frühzeichen:  __________________________________________  __________________________________________ 2. Was war kurz davor? (Trigger erkennen) (Nicht bewerten – nur beobachten. Wie ein Detektiv.) Situation: __________________________________ Menschen: __________________________________ Gefühle davor: _______________________________ Körperzustand (müde, hungrig, überreizt?): _______ Muster (wenn erkennbar): __________________________________________ __________________________________________ 3. Realitätsanker (für den Akutmoment) Laut oder innerlich sprechen: Ich bin: __________________________ Heute ist: ____...

Derealisation: Wenn die Welt sich fremd anfühlt

Es gibt Momente, in denen die Welt fremd anfühlt: Der Raum wirkt zu flach, wie ein bedrucktes Bühnenbild. Die Stimme deiner besten Freundin klingt wie durch Watte – vertraut im Inhalt, fremd im Klang. Die Straße, die du jeden Tag entlangläufst, sieht aus wie eine Kulisse aus einem Film, den du noch nie gesehen hast. Du streckst die Hand aus und berührst die Tischkante – sie ist da, real, hart, eindeutig vorhanden – und trotzdem fühlt sich dieser Moment nicht wirklich an. Das ist Derealisation. Kein Zeichen dafür, dass du verrückt bist. Kein Zeichen dafür, dass dein Gehirn versagt. Sondern ein Zeichen dafür, dass dein Nervensystem etwas tut, wofür es einst trainiert wurde: dich zu schützen. Wenn du mit einer Dissoziativen Identitätsstörung lebst, kennst du dieses Gefühl wahrscheinlich gut – vielleicht sogar in verschiedenen Ausprägungen, je nachdem, welcher Anteil gerade vorne ist. Dieser Beitrag erklärt, was Derealisation ist, woher sie kommt, wie sie sich anfühlt – und vor allem: was ...