Arbeitsblatt "Emotionale Abhängigkeit bei DIS verstehen und einordnen"

Dieses Arbeitsblatt soll dir helfen, die Inhalte des Artikels auf dein eigenes Erleben zu übertragen. Menschen mit DIS erleben Beziehungen oft intensiver und widersprüchlicher als andere. Verschiedene Anteile können gleichzeitig Nähe suchen, Distanz wollen oder misstrauisch reagieren.

Die Fragen in diesem Arbeitsblatt sollen dir helfen, diese inneren Dynamiken besser wahrzunehmen.

Du musst nicht alle Fragen sofort beantworten. Manche Punkte können Zeit brauchen. Wenn etwas zu schwierig wird, darfst du jederzeit eine Pause machen.

1. Eine wichtige Beziehung betrachten
Denke an eine Person, die für dich emotional besonders wichtig ist. Das kann ein Partner, eine Freundin, ein Therapeut oder eine andere Bezugsperson sein.
Es geht nicht darum, diese Beziehung zu bewerten, sondern sie besser zu verstehen.

Fragen zur Reflexion
Wer ist diese Person?
Wie lange kenne ich diese Person bereits?
Welche Rolle spielt sie in meinem Leben?
Was bedeutet diese Person emotional für mich?
Wann habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass diese Beziehung für mich sehr wichtig ist?
Welche Momente mit dieser Person geben mir besonders viel Sicherheit?
Welche Situationen mit dieser Person lösen eher Angst oder Unsicherheit aus?


2. Wie sich emotionale Abhängigkeit zeigen kann
Emotionale Abhängigkeit kann sich auf viele verschiedene Arten zeigen. Manche sind offensichtlich, andere eher subtil.
Gehe die folgenden Aussagen durch und markiere, welche auf dich zutreffen.
□ Ich habe große Angst, diese Person zu verlieren.
□ Wenn diese Person nicht erreichbar ist, werde ich unruhig oder angespannt.
□ Ich denke sehr häufig an diese Person.
□ Meine Stimmung hängt stark davon ab, wie diese Person sich mir gegenüber verhält.
□ Ich brauche häufig Bestätigung von dieser Person.
□ Ich habe Angst, Fehler zu machen, weil die Person mich dann verlassen könnte.
□ Ich stelle meine eigenen Bedürfnisse zurück, um die Beziehung zu schützen.
□ Ich habe Angst, meine Meinung offen zu sagen.
□ Ich versuche Konflikte zu vermeiden, damit die Person nicht geht.
□ Mein Alltag dreht sich stark um diese Beziehung.
Reflexion:
Welche Punkte treffen besonders stark auf mich zu?
Welche Situationen lösen besonders starke emotionale Reaktionen aus?
Gibt es bestimmte Auslöser (z. B. Distanz, Kritik, Schweigen)?

3. Meine Gefühle bei Distanz
Ein wichtiger Teil emotionaler Abhängigkeit zeigt sich in Momenten, in denen die andere Person nicht verfügbar ist.
Denke an eine Situation, in der diese Person nicht erreichbar war.
Was ist passiert?
Welche Gedanken sind mir in diesem Moment durch den Kopf gegangen?
Welche Gefühle habe ich gespürt?
Beispiele können sein: Angst, Panik, Traurigkeit, Wut, Leere.
Wie hat mein Körper reagiert?
Beispiele: Herzklopfen, Unruhe, innerer Druck, Weinen.
Welche Handlungen habe ich dann gemacht?
Beispiele: viele Nachrichten schreiben, Rückzug, Grübeln.

4. Verschiedene Anteile und ihre Perspektiven

Bei DIS ist es häufig so, dass verschiedene Anteile unterschiedlich auf dieselbe Beziehung reagieren.
Versuche zu beobachten, welche Stimmen oder Gefühle im System auftauchen.
Kind-Anteile
Kind-Anteile tragen oft starke Bindungsbedürfnisse.
Was wünschen sich meine Kind-Anteile von dieser Person?
Welche Angst haben diese Anteile?
Welche Situationen lösen bei ihnen besonders starke Gefühle aus?
Wie reagieren sie, wenn die Person nicht da ist?

Erwachsene Anteile

Erwachsene Anteile können Beziehungen häufig realistischer einschätzen.
Was denken meine erwachsenen Anteile über diese Beziehung?
Sehen sie Anzeichen von emotionaler Abhängigkeit?
Was würden sie sich für das System wünschen?

Beschützer-Anteile
Beschützer versuchen, das System vor Schmerz zu schützen.
Welche Gedanken oder Gefühle haben diese Anteile über diese Beziehung?
Wovor versuchen sie uns zu schützen?
Wie reagieren sie, wenn die Beziehung sehr intensiv wird?

Vermeidende Anteile
Manche Anteile reagieren auf Nähe mit Distanz.
Gibt es Anteile, die sagen: „Ich brauche niemanden“ oder „Beziehungen sind gefährlich“?
Wann tauchen diese Anteile besonders stark auf?
Welche Erfahrungen könnten hinter dieser Haltung stehen?

5. Meine größten Ängste
Emotionale Abhängigkeit hängt häufig mit tiefen Verlustängsten zusammen.
Versuche, diese Ängste genauer zu benennen.
Wenn diese Person mich verlassen würde, wovor hätte ich am meisten Angst?
Welche Gedanken entstehen dann?
Welche Gefühle tauchen auf?
Erinnern mich diese Gefühle an frühere Erfahrungen?
Gab es in meiner Kindheit Situationen, in denen ich mich ähnlich gefühlt habe?


6. Meine Bedürfnisse
In emotional abhängigen Beziehungen geraten die eigenen Bedürfnisse oft in den Hintergrund.
Versuche, sie wieder sichtbar zu machen.
Was brauche ich emotional?
Was gibt mir Sicherheit?
Was hilft mir, mich ruhiger oder stabiler zu fühlen?
Welche Bedürfnisse habe ich vielleicht lange zurückgestellt?

7. Meine eigene Identität
Eine wichtige Frage bei emotionaler Abhängigkeit lautet:
Wer bin ich außerhalb dieser Beziehung?
Welche Interessen habe ich?
Welche Dinge machen mir Freude?
Welche Fähigkeiten habe ich?
Welche Werte sind mir wichtig?
Welche Ziele habe ich für mein eigenes Leben?

8. Mein soziales Netz
Emotionale Abhängigkeit entsteht oft, wenn eine einzige Person zur zentralen emotionalen Quelle wird.
Es kann helfen, mehrere unterstützende Beziehungen zu haben.
Welche Menschen geben mir Unterstützung?
Freunde
Familie
Therapeut
Selbsthilfegruppen
Online-Communities
andere Vertrauenspersonen
Welche Menschen fallen mir konkret ein?
Wie oft habe ich Kontakt zu ihnen?
Welche Beziehungen würde ich gerne stärker pflegen?

9. Kleine Schritte zu mehr Stabilität
Veränderung geschieht selten plötzlich. Kleine Schritte können langfristig viel bewirken.
Ein kleiner Schritt, den ich ausprobieren möchte:
Weitere mögliche Schritte:
mehr Zeit für eigene Interessen
eine Entscheidung selbst treffen
einen Abend bewusst allein verbringen
eine Grenze formulieren
mit einem Anteil sprechen, der Angst hat
Welche dieser Schritte könnten für mich hilfreich sein?

10. Mit den Anteilen sprechen
Manchmal hilft es, innerlich mit den Anteilen zu sprechen, die besonders viel Angst haben.
Welche Botschaft würde ich einem Kind-Anteil geben, der Angst hat, verlassen zu werden?
Was könnte ein erwachsener Anteil diesem Kind-Anteil sagen?
Welche Worte könnten beruhigend wirken?

11. Eine Botschaft an mein System
Zum Abschluss kannst du eine unterstützende Botschaft formulieren, die du deinem inneren System geben möchtest.
Zum Beispiel:
  • „Wir sind heute nicht mehr allein.“
  • „Wir haben Ressourcen.“
  • „Wir dürfen Beziehungen haben, ohne uns selbst zu verlieren.“
Meine eigene Botschaft an mein System:
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Emotionale Abhängigkeit entsteht oft aus sehr frühen Erfahrungen
 von Einsamkeit, Unsicherheit und unerfüllten Bindungsbedürfnissen.

Sie ist kein Zeichen von Schwäche.

Sie ist eine verständliche Reaktion auf alte Verletzungen.

Veränderung geschieht Schritt für Schritt.
Jede kleine Bewegung in Richtung Selbstfürsorge und Stabilität ist ein wichtiger Fortschritt.



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