Arbeitsblatt: "Wenn sich das „Es ist vorbei“ nicht wahr anfühlt"
Arbeitsblatt: Wenn sich das „Es ist vorbei“ nicht wahr anfühlt
Viele Betroffene merken, dass sie bestimmte Dinge längst verstanden haben – und trotzdem innerlich nicht loskommen. Der Kopf sagt: „Ich weiß, es ist vorbei.“ Doch das Gefühl bleibt, als wäre die Gefahr, die Einsamkeit oder der Verlust noch immer gegenwärtig. Dieses Arbeitsblatt hilft, diesen Unterschied zwischen Wissen und Fühlen bewusst wahrzunehmen und das Nervensystem langsam in die Gegenwart zu holen. s geht nicht darum, sich etwas einzureden oder gegen das Gefühl anzukämpfen. Sondern darum, zu verstehen, warum der Körper manchmal noch in der Vergangenheit lebt – und ihm kleine, konkrete Beweise für das Heute zu geben.
1. Wahrnehmen, was da istSchreibe auf, wie sich der Satz „Es ist vorbei“ in deinem Körper anfühlt.
Was passiert in dir, wenn du ihn hörst oder selbst sagst?
Vielleicht spürst du Druck, Zweifel, Leere, Wut oder gar nichts. All das ist ein Hinweis darauf, dass ein Teil deines Systems noch im alten Zustand verharrt.
„Wenn ich mir sage, dass es vorbei ist, dann spüre ich …“
„Ich merke, dass ein Teil von mir nicht glaubt (nicht fühlt), dass es vorbei ist, weil …“
Es geht nicht darum, das Gefühl zu verändern – nur darum, es wahrzunehmen.
2. Das Damals erkennen
Frage dich: Woran erinnert mich dieses Gefühl?
Oft sind es alte Situationen, in denen du dich hilflos, allein oder ausgeliefert gefühlt hast. Dein Körper erkennt Ähnlichkeiten schneller als dein Verstand.
Er glaubt: Das ist wieder dasselbe.
Notiere, welche Erinnerung oder Stimmung auftaucht – ohne sie zu analysieren.
Nur benennen: „Das fühlt sich an wie damals, als …“
Wenn keine klare Erinnerung kommt, ist das völlig in Ordnung. Manchmal meldet sich das Gefühl, bevor die Bilder auftauchen.
3. Den Unterschied spüren
Lege nun den Fokus bewusst auf das Heute.
Schau dich um. Was ist anders als damals?
Welche drei Dinge beweisen, dass du jetzt bist – nicht damals?
Zum Beispiel:
Der Raum, in dem du gerade bist.
Das Licht.
Deine Stimme, deine Worte, dein heutiges Alter.
Sage leise oder laut:
„Ich bin hier. Ich bin erwachsen. Ich bin sicher.“
Wenn du magst, wiederhole diesen Satz mehrmals – langsam, mit einem bewussten Atemzug zwischen den Worten. Achte darauf, ob sich etwas verändert. Vielleicht minimal. Vielleicht gar nicht. Beides ist in Ordnung.
4. Neue Formulierungen finden
Manchmal reagiert das Innere auf den Satz „Es ist vorbei“ mit Abwehr, weil er zu schnell, zu endgültig klingt. Dann helfen weichere Sätze, die das Dazwischen anerkennen. Schreib dir zwei oder drei Varianten auf, die für dich stimmiger sind. Zum Beispiel:
„Ein Teil in mir weiß, dass es vorbei ist – ein anderer spürt es noch.“
„Ich darf heute sicher sein, auch wenn mein Körper sich noch erinnert.“
„Ich bleibe bei mir, bis alle Teile das Heute erreicht haben.“
So entsteht Verbindung, statt Trennung.
5. Kleine Gegenwartsübungen
Wenn du merkst, dass alte Gefühle auftauchen, versuche eine dieser Miniübungen:
Bodenkontakt: Spüre bewusst deine Füße oder dein Gewicht auf dem Stuhl.
Atmen: Atme langsam aus – länger, als du einatmest.
Orientierung: Schau dich um, zähle fünf Dinge im Raum, die du siehst.
Geräusche: Höre auf etwas, das eindeutig in der Gegenwart liegt (z. B. Verkehr draußen, Musik, Uhrticken).
Selbstberührung: Lege eine Hand auf dein Herz oder deinen Arm, um dich körperlich zu verorten.
Diese kleinen Signale sind wie Beweise für das Gehirn: Hier ist jetzt. Hier ist anders.
6. Integration
Schreibe am Ende auf, was du heute aus dieser Übung mitnimmst.
Vielleicht nur einen Satz, vielleicht ein Gefühl. Zum Beispiel:
„Ich beginne zu verstehen, dass mein Körper Zeit braucht.“
„Ich darf beides fühlen – das Damals und das Heute.“
„Ich bin dabei, mich selbst wiederzufinden.“
Die Wiederholung dieser Schritte ist wichtiger als ihre Perfektion. Jedes Mal, wenn du dich selbst im Heute spürst, lernt dein Nervensystem dazu. So entsteht langsam das, was man Integration nennt – die Annäherung zwischen Wissen und Fühlen.
Abschlussgedanke
„Vorbei“ ist kein Gedanke, sondern ein Prozess.
Man kann ihn nicht denken, nur erleben.
Mit jedem sicheren Moment, mit jedem bewussten Atemzug, mit jedem ehrlichen Blick auf das, was war und das, was jetzt ist, lernt dein Inneres:
Es darf ruhiger werden.
Es darf glauben, dass die Gegenwart trägt.