Window of Tolerance (WoT): Ein Persönliches Profil erstellen

Wozu dient ein persönliches WoT-Profil?

Selbstwahrnehmung schärfen

Viele Betroffene merken erst spät, dass sie „raus aus dem Fenster“ sind.
Ein persönliches Profil zeigt dir deine eigenen Frühwarnzeichen (z. B. Herzklopfen, Schwarz-Weiß-Denken), sodass du rechtzeitig handeln kannst.

Schneller gegensteuern

Wenn du genau weißt:
„Rot = runterfahren“ (Atem, Kälte, Pause)
„Blau = aktivieren“ (Bewegung, Stimme, Rechnen)
dann hast du eine Art Mini-Notfallplan in der Tasche.

Anteile besser verstehen

Jeder Anteil reagiert anders.
Im Profil kannst du eintragen:
„Kindanteil → laute Geräusche“
„Schutzanteil → Nähe ohne Vorwarnung“
So erkennst du, wer gerade betroffen ist und was er braucht.

Kommunikation erleichtern

Für dich selbst: Du musst nicht lange überlegen – du siehst sofort: „Ah, das ist mein Gelb!“
Für Therapeutinnen oder Begleiterinnen: Sie verstehen schneller, was dir wann hilft.

Sicherheit im Alltag

Ein persönliches Profil ist wie ein Ankerpunkt:
Es hängt sichtbar (z. B. am Kühlschrank, im Notizbuch, in der Schatzkiste).
Es gibt dir Sicherheit, weil du weißt: „Ich habe einen Plan.“
Es verhindert, dass du dich komplett ausgeliefert fühlst.



So kannst du ein persönliches WoT-Profil erstellen: Nutze diese vier Felder (gerne als Notizzettel/Seite im Tagebuch):

Frühwarnzeichen Gelb (ich merke, es kippt)

z.B. Kälte, schwarz-weiß-Denken, Unruhe

Hilfen Rot (runterfahren):

 z.B. Atmen, kurze Auszeit

Hilfen Blau (aktivieren):

z.B. Bewegung, Hände reiben, kleine einfache Rechenaufgaben

Anteile & typische Trigger:

Anteil A → Trigger (z.B. laute Geräusche)
Anteil B → Trigger (z.B. unerwartete Veränderungen)
Anteil C → Trigger (z.B. Anforderungen)


Tipp: Schreibe kurz & konkret (1-5 Stichworte). Hänge die Liste sichtbar hin.


Beispiel 1 – Alltagsanteil

Frühwarnzeichen Gelb: Kopfschmerzen, innere Gereiztheit, schneller sprechen
Hilfen Rot: Atemübungen, 2 Minuten frische Luft
Hilfen Blau: Kurzer Spaziergang, Glas Wasser trinken
Anteile & Trigger:
Kindanteil → laute Stimmen
Schutzanteil → Kritik
Alltagsanteil → Zeitdruck

Beispiel 2 – Kindlicher Anteil

Frühwarnzeichen Gelb: Tränen in den Augen, Herzklopfen, sich klein fühlen
Hilfen Rot: Kuscheldecke, beruhigender Satz („Ich bin jetzt sicher“)
Hilfen Blau: Bunte Stifte nutzen, Knetball drücken
Anteile & Trigger:
Kindanteil → Alleinsein im dunklen Raum
Schutzanteil → Nähe von Fremden
Alltagsanteil → Unerwartete Veränderung

Beispiel 3 – Schutzanteil

Frühwarnzeichen Gelb: angespanntes Kiefer, harte Stimme, schneller Puls
Hilfen Rot: Wandkontakt (Handflächen), kaltes Wasser über Hände laufen lassen
Hilfen Blau: kurze Dehnübungen, Summen
Anteile & Trigger:
Schutzanteil → lautes „Nein!“
Kindanteil → Vorwürfe
Alltagsanteil → Chaos in der Umgebung

Beispiel 4 – Arbeitsanteil

Frühwarnzeichen Gelb: Tunnelblick, schwarz-weiß-Denken („Alles oder nichts“), Druck im Brustkorb
Hilfen Rot: Timer stellen, 5 Minuten Pause machen
Hilfen Blau: aufstehen, 20 Schritte zählen, lautes Aussprechen des Datums
Anteile & Trigger:
Arbeitsanteil → Überlastung durch viele Aufgaben
Kindanteil → Gefühl, nicht ernst genommen zu werden
Schutzanteil → unsachliche Kritik

Beispiel 5 – Teenager-Anteil

Frühwarnzeichen Gelb: Augen rollen, starke Gereiztheit, „keine Lust mehr“
Hilfen Rot: Musik hören (ruhig, vertraut), rausgehen
Hilfen Blau: Sport, schnelle Musik, tanzen
Anteile & Trigger:
Teenager-Anteil → Regeln ohne Erklärung
Kindanteil → plötzliche Trennungssituationen
Schutzanteil → Körperkontakt ohne Ankündigung

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