Wie man prüft, ob Angst realistisch ist

Ängste fühlen sich oft wie die absolute Wahrheit an. Doch nicht jede Angst entspricht einer aktuellen Gefahr. Manche sind Echos aus der Vergangenheit, andere entstehen durch Gedanken oder Fantasien. Damit wir Ängste besser einordnen können, hilft es, gezielte Fragen zu stellen. Sie holen den Verstand ins Boot und schaffen Abstand zu den Gefühlen.


10 Fragen zum Realitätscheck

Was passiert gerade wirklich – hier und jetzt?

Beispiel: Angst sagt: „Es könnte gleich etwas Schlimmes passieren.“
Realität: „Ich sitze am Tisch, trinke Tee, es ist ruhig.“

Sehe ich Beweise für eine Gefahr – oder nur Möglichkeiten?

Beispiel: Angst: „Vielleicht blamiere ich mich in der Besprechung.“
Realität: „Noch habe ich gar nichts gesagt – es gibt keinen Beweis, nur die Vorstellung.“

Ist die Situation heute tatsächlich dieselbe wie damals?

Beispiel: Angst: „Alle werden mich auslachen wie früher in der Schule.“
Realität: „Ich bin erwachsen, bei der Arbeit, unter Kolleg:innen – nicht mehr im Klassenzimmer.“

Wie wahrscheinlich ist es, dass das Schlimmste wirklich passiert?

Beispiel: Angst: „Ich werde sicher versagen.“
Realität: „Bei den letzten 5 Aufgaben habe ich sie auch geschafft. Die Wahrscheinlichkeit ist gering.“

Verfüge ich über Erfahrungen, die das Gegenteil beweisen?

Beispiel: Angst: „Ich kann keine Vorträge halten.“
Realität: „Letzten Monat habe ich eine Präsentation gehalten, und es lief gut.“

Wie würde eine neutrale Person die Situation sehen?

Beispiel: Angst: „Mein Herz rast, ich kippe bestimmt gleich um.“
Realität: „Ein Arzt würde sagen: Herzklopfen = Stress, nicht Lebensgefahr.“

Was wäre das Schlimmste, das passieren könnte – und wie könnte ich dann reagieren?

Beispiel: Angst: „Wenn ich mich verspreche, ist alles verloren.“
Realität: „Selbst wenn ich mich verspreche, kann ich korrigieren oder lachen – es geht weiter.“

Gab es schon Momente, in denen dieselbe Angst kam – und nichts passiert ist?

Beispiel: Angst: „Wenn ich einkaufen gehe, passiert bestimmt etwas Peinliches.“
Realität: „Ich war letzte Woche einkaufen – und alles war normal.“

Welchen Anteil an der Angst machen alte Erinnerungen aus?

Beispiel: Angst: „Mein Chef wird sicher schreien.“
Realität: „Das ist ein Echo meiner Eltern von früher – mein Chef hat noch nie so reagiert.“

Was brauche ich jetzt, um mich sicherer zu fühlen?

Beispiel: Angst: „Ich halte das nicht aus.“
Realität: „Ich kann meine Füße fest in den Boden drücken, bewusst atmen und einen kurzen Satz aufschreiben – das gibt Sicherheit.“

Ja, Ängste fühlen sich real an – aber mit diesen Fragen und Beispielen lassen sie sich prüfen und einordnen. Das macht sichtbar: Vieles, was das Nervensystem meldet, ist kein Beweis für Gefahr, sondern ein Echo alter Erfahrungen oder ein „Was-wäre-wenn“-Gedanke.

 

Je öfter man diese Fragen stellt, desto leichter fällt es, 
Angst als das zu erkennen, was sie ist:
 ein Signal – aber nicht automatisch die Wahrheit.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Unterschiede und Gemeinsamkeiten: DIS, Borderline, PTBS und KPTBS

Beziehungsaus bei DIS – warum Trennungen so schwer und so schmerzhaft sind

Impressum