Wenn Anteile Bilder sprechen – kreative Ausdruckswege für kindliche Anteile oder für Anteile, die sich nicht zu sprechen trauen

Nicht alle Anteile können in Worten erzählen, was sie fühlen oder brauchen. Manche sind zu jung, andere haben kein Vertrauen in Sprache, wieder andere tragen Gefühle, die sich nicht erklären lassen. Für solche Anteile ist Malen oder Collagieren ein wertvoller Weg, um Ausdruck zu finden.


Wichtig: immer für Nachsorge sorgen (z. B. beruhigende Musik, warme Decke),
 falls starke Gefühle hochkommen.

 

Warum Malen und Collagen helfen

Direkter Ausdruck

Farben, Formen und Symbole können Gefühle transportieren, die sich nicht in Worte fassen lassen.

Sicherheit

Ein Anteil muss nicht direkt „reden“, sondern darf über Bilder etwas mitteilen.

Annäherung

Das fertige Bild schafft eine Brücke zwischen Innen und Außen.

Selbstwahrnehmung

Durch Bilder wird sichtbar, was im Inneren passiert – manchmal überraschend klar.

Verarbeitung

Zeichnen, kritzeln, schneiden und kleben kann auch zur Traumaverarbeitung beitragen und zudem beruhigend wirken.  



Möglichkeiten des kreativen Ausdrucks

Freies Malen

Einfach Papier und Farben bereitlegen. Jeder Anteil darf malen, wie er will – bunt, dunkel, abstrakt oder figürlich. 

Symbolisches Zeichnen

Ein Herz, ein Haus, ein Baum, ein Tier – einfache Symbole können starke Botschaften tragen.

Collagen

Bilder aus Zeitschriften ausschneiden, Symbole kleben, Lieblingsfarben zusammensetzen – ein Puzzle der Gefühle.

Farbflächen

Manche Anteile möchten nur eine Farbe großflächig auftragen – auch das ist eine Botschaft.

Gemeinsame Bilder

Mehrere Anteile gestalten ein Bild zusammen – jeder fügt etwas hinzu, das zu ihm gehört.

 

Praktische Tipps

  • Buntstifte, Wachsmalkreiden, Filzstifte oder Wasserfarben bereitlegen.
  • Auch einfache Materialien wie Papier, Zeitschriften, Schere und Kleber reichen.
  • Nichts muss „schön“ werden – jedes Bild ist richtig so, wie es entsteht.
  • Bilder datieren und aufbewahren – sie können später Teil einer inneren Chronik werden.

 

Beispiel


Ein Anteil malt ein dunkles Bild mit vielen schwarzen Linien – Ausdruck von Wut oder Angst.

Ein anderer malt bunte Luftballons – Zeichen für Leichtigkeit und Freude.

Ein Kindanteil klebt einen Teddybär aus einer Zeitschrift ins Bild – er zeigt damit, was er braucht.


Malen und Collagen sind stille Sprachen der Anteile. Sie zeigen: „Ich bin da. Ich fühle etwas. Ich will mich zeigen.“ Diese kreative Ausdrucksform ist oft ein erster Schritt, um Anteile besser zu verstehen und ihnen Raum zu geben – auch dann, wenn Worte fehlen.



Beliebte Posts aus diesem Blog

Unterschiede und Gemeinsamkeiten: DIS, Borderline, PTBS und KPTBS

Beziehungsaus bei DIS – warum Trennungen so schwer und so schmerzhaft sind

Impressum