Warum Gedanken und Gefühle von damals nicht die Realität von heute widerspiegeln

Wer mit einer Dissoziativen Identitätsstörung oder komplexen Traumafolgestörungen lebt, kennt es: Plötzlich tauchen Gedanken auf wie „Ich bin schuld“, oder Gefühle wie Panik, Scham oder Hilflosigkeit überrollen einen – als würde das Trauma gerade in diesem Moment passieren.

Doch so real sich diese Gedanken und Gefühle auch anfühlen: Sie sind nicht die Wirklichkeit von heute. Sie sind Erinnerungen an das, was einmal war.


Gedanken und Gefühle sind Echos der Vergangenheit

  • Traumatische Erfahrungen hinterlassen Spuren – nicht nur in bewussten Erinnerungen, sondern auch in Körper und Gefühlen.
  • Gedanken wie „Ich darf nichts sagen“ oder „Ich bin in Gefahr“ stammen aus damaligen Situationen.
  • Sie tauchen heute wieder auf, wenn etwas im Außen oder Innen an die damalige Bedrohung erinnert.
  • Das Gehirn meldet: „Achtung – Gefahr!“, auch wenn objektiv keine da ist.


Warum sich das Heute wie Damals anfühlt

  • In traumatischen Situationen gibt es oft keinen klaren Abschluss. Das Erlebte bleibt wie „eingefroren“.
  • Später reicht ein Geräusch, ein Geruch oder ein bestimmter Blick – und das innere System reagiert, als sei alles wieder in der Gegenwart.
  • Gefühle und Gedanken erscheinen dadurch zeitlos und passen nicht zu dem, was gerade wirklich passiert.


Damals war es so – heute ist es anders

Damals:

Das Kind war abhängig, ausgeliefert, ohne Schutz.

Täter*innen hatten Macht, das Kind hatte keine Wahl.

Überleben war nur durch Anpassung möglich.


Heute:

Die Gefahrensituation ist vorbei.

Du bist erwachsen, hast Rechte und Handlungsmöglichkeiten.

Es gibt Schutz, Unterstützung und die Möglichkeit, dich zu wehren oder Nein zu sagen.


Heilung bedeutet auch, Damals und Heute unterscheiden können

Wichtig ist, die innere Reaktion von damals von der äußeren Realität von heute zu unterscheiden.

Gedanken und Gefühle dürfen da sein – sie sind Ausdruck dessen, was einmal war.

Heilung heißt: Sie ernst nehmen, aber nicht mehr automatisch glauben, dass sie die Gegenwart beschreiben.





Gedanken und Gefühle aus traumatischen Erfahrungen sind wahr als Erinnerung,

aber nicht wahr als Beschreibung des Heute.

Sie zeigen, wie es damals war – aber sie müssen nicht bestimmen, wie du heute lebst.


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