Von einer nahestehenden Person abgewiesen werden: ein Schmerz, der alte Wunden aufreißen kann
Für Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung (DIS) ist das Thema Beziehung oft besonders sensibel. Nähe war in der Vergangenheit unsicher, Vertrauen wurde verletzt, Bindungen waren von Angst und Unsicherheit geprägt. Wird man dann von einer nahestehenden Person (z.B. Partner oder Ex-Partner) abgewiesen trifft das doppelt hart: Es berührt nicht nur die Gegenwart, sondern auch die alten Wunden.
Warum es so schmerzt
Alte Muster werden reaktiviert
Kinderanteile fühlen sich verlassen
Selbstzweifel wachsen
Innere Konflikte
Verlust von Sicherheit
Typische Reaktionen
Rückzug
niemanden mehr an sich heranlassen.
→ Stärkend: „Pausen von Nähe sind erlaubt. Ich darf selbst bestimmen, wann ich wieder vertraue.“
Überanpassung
– versuchen, „perfekt“ zu sein, um nicht mehr verlassen zu werden.
→ Stärkend: „Ich muss nicht perfekt sein, um liebenswert zu sein.“
Wut
auf ihn oder auf sich selbst.
→ Stärkend: „Wut ist Energie. Sie zeigt, dass mir etwas wichtig war.“
Traurigkeit
ein tiefes Gefühl von Leere.→ Stärkend: „Tränen sind erlaubt. Sie helfen, loszulassen.“
Idealisierung
– den Ex-Partner trotz Verletzungen verherrlichen.
→ Stärkend: „Ich sehe ihn heute realistischer: Er hatte gute Seiten, aber auch Grenzen.“
Wege, damit umzugehen
Gefühle zulassen
nicht alles wegdrücken.→ Stärkend: „Gefühle sind Signale – ich darf sie ernst nehmen.“
Innere Anteile trösten
Klare Grenzen setzen
Unterstützung suchen
Selbstwert bewusst stärken
Was hilfreich sein kann
Heilungssätze
- „Ich bin liebenswert – auch ohne ihn.“
- „Seine Entscheidung mehr über ihn aus, als über mich."
- „Ich habe ein Recht auf Nähe und Zuwendung.“
- „Ich darf bleiben – so wie ich bin.“
- „Ich bin nicht zu viel und nicht zu wenig.“
- "Ja, seine Entscheidung tut mir weh. Aber jetzt habe ich die Klarheit, die ich benötige."
Rituale des Loslassens
- Brief schreiben – alles aufschreiben und den Brief nicht abschicken.
- Symbolisches Verbrennen oder Zerreißen – alte Nachrichten oder Zettel loslassen.
- Neue Ordnung schaffen – Dinge im Zuhause neu sortieren, die an ihn erinnern.
- Erinnerungsgegenstände weglegen – in eine Box, die außer Sicht bleibt.
- Neues Symbol schaffen – ein Schmuckstück, Stein oder Bild für den eigenen Neuanfang.
Fokus auf das Hier und Jetzt
- Bewegung einbauen: Ein kurzer Spaziergang, Treppensteigen oder Dehnübungen – Bewegung bringt den Körper in Schwung und verhindert, dass man innerlich „stecken bleibt“.
- Zurückfinden ins Selbst: klare Sicht auf die Dinge, weise Entscheidungen treffen, vom Selbst aus sehen, nicht in der Welle versinken
- Zeit für sich nehmen: Musik hören, ein Tagebuch führen, malen oder schreiben. Diese Tätigkeiten geben Halt und helfen, die eigene Mitte zu spüren.
- Routinen: Feste Abläufe für Mahlzeiten, Schlafenszeiten und Pausen geben Orientierung. Auch kleine Rituale – z. B. morgens das Fenster öffnen – schaffen Stabilität.
- Alltagsaufgaben bewusst strukturieren: Einen einfachen Tagesplan schreiben: Was ist heute wirklich wichtig? Kleine Schritte abhaken – das bringt Klarheit und reduziert Überforderung.
- Kleine Erfolge sammeln: Am Ende des Tages bewusst notieren: „Das habe ich geschafft.“ Selbst kleine Dinge – einkaufen, kochen, einen Anruf erledigen – stärken das Gefühl von Selbstwirksamkeit.
- Mikroschritte
Fokus auf die Zukunft
- Neue Ziele setzen – kleine Schritte, die nichts mit der Beziehung zu tun haben (z. B. ein neues Hobby).
- Vision entwickeln – sich vorstellen: Wie möchte ich in 1 Jahr leben?
- Stärken bewusst machen – eine Liste schreiben: „Was kann ich gut? Was macht mich aus?“
- Soziale Kontakte pflegen – neue Begegnungen ermöglichen positive Erfahrungen.
- Selbstbestimmung üben – Entscheidungen im Alltag bewusst selbst treffen.
Von einer nahestehenden Person abgewiesen zu werden, ist für jede Person schwer. Für Menschen mit DIS bedeutet es jedoch, dass alte Traumawunden aufbrechen. Wichtig ist: Die Abweisung sagt mehr über diese Person aus als über den eigenen Wert. Heilung bedeutet, den Schmerz ernst zu nehmen, innere Anteile zu trösten – und Schritt für Schritt zu erfahren: