Von einer nahestehenden Person abgewiesen werden: ein Schmerz, der alte Wunden aufreißen kann

Für Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung (DIS) ist das Thema Beziehung oft besonders sensibel. Nähe war in der Vergangenheit unsicher, Vertrauen wurde verletzt, Bindungen waren von Angst und Unsicherheit geprägt. Wird man dann von einer nahestehenden Person (z.B. Partner oder Ex-Partner) abgewiesen trifft das doppelt hart: Es berührt nicht nur die Gegenwart, sondern auch die alten Wunden.


Warum es so schmerzt

Alte Muster werden reaktiviert

Abweisung erinnert an frühere Erfahrungen von Ablehnung oder Vernachlässigung. 
Stärkend:  „Damals war ich abhängig – heute bin ich erwachsen und habe mehr Möglichkeiten.“

Kinderanteile fühlen sich verlassen

sie erleben Trennung als Lebensgefahr.
Stärkend: „Du bist heute nicht allein. Ich bleibe bei dir.“

Selbstzweifel wachsen

innere Fragen wie „Bin ich zu schwierig?“ tauchen auf.
Stärkend: „Ich bin nicht schuld an seiner Entscheidung.“

Innere Konflikte

Schutzanteile wollen Abstand, verletzte Anteile suchen Nähe. 
Stärkend: „Beide Reaktionen sind normal. Wir dürfen unterschiedliche Bedürfnisse haben.“

Verlust von Sicherheit

der Ex-Partner war vielleicht eine wichtige Stütze. 
Stärkend: „Sicherheit kann ich mir Schritt für Schritt auch selbst geben.“


Typische Reaktionen

    Rückzug

    niemanden mehr an sich heranlassen.

    → Stärkend: „Pausen von Nähe sind erlaubt. Ich darf selbst bestimmen, wann ich wieder vertraue.“

    Überanpassung 

    – versuchen, „perfekt“ zu sein, um nicht mehr verlassen zu werden.

    → Stärkend: „Ich muss nicht perfekt sein, um liebenswert zu sein.“

    Wut 

     auf ihn oder auf sich selbst.

    → Stärkend: „Wut ist Energie. Sie zeigt, dass mir etwas wichtig war.“

    Traurigkeit

    ein tiefes Gefühl von Leere.

    → Stärkend: „Tränen sind erlaubt. Sie helfen, loszulassen.“

    Idealisierung

     – den Ex-Partner trotz Verletzungen verherrlichen.

    → Stärkend: „Ich sehe ihn heute realistischer: Er hatte gute Seiten, aber auch Grenzen.“


    Wege, damit umzugehen

    Gefühle zulassen

    nicht alles wegdrücken.
    → Stärkend: „Gefühle sind Signale – ich darf sie ernst nehmen.“

    Innere Anteile trösten

    – vor allem Kinderanteile.
    → Stärkend: „Ihr wart nicht schuld. Ihr verdient Liebe und Geborgenheit.“

    Klare Grenzen setzen

     – Abweisung sagt mehr über ihn aus als über dich.
    → Stärkend: „Seine Entscheidung ist seine Verantwortung – nicht mein Versagen.“

    Unterstützung suchen

     – Menschen, die bleiben.
    → Stärkend: „Es gibt Menschen, die mich so annehmen, wie ich bin.“

    Selbstwert bewusst stärken

     – das eigene Ich unabhängig machen.
    → Stärkend: „Mein Wert hängt nicht davon ab, ob jemand bleibt oder geht.“


    Was hilfreich sein kann

    Heilungssätze

    • „Ich bin liebenswert – auch ohne ihn.“
    • „Seine Entscheidung mehr über ihn aus, als über mich."
    • „Ich habe ein Recht auf Nähe und Zuwendung.“
    • „Ich darf bleiben – so wie ich bin.“
    • „Ich bin nicht zu viel und nicht zu wenig.“
    • "Ja, seine Entscheidung tut mir weh. Aber jetzt habe ich die Klarheit, die ich benötige." 

    Rituale des Loslassens

    • Brief schreiben – alles aufschreiben und den Brief nicht abschicken.
    • Symbolisches Verbrennen oder Zerreißen – alte Nachrichten oder Zettel loslassen.
    • Neue Ordnung schaffen – Dinge im Zuhause neu sortieren, die an ihn erinnern.
    • Erinnerungsgegenstände weglegen – in eine Box, die außer Sicht bleibt.
    • Neues Symbol schaffen – ein Schmuckstück, Stein oder Bild für den eigenen Neuanfang.

    Fokus auf das Hier und Jetzt

    • Bewegung einbauen: Ein kurzer Spaziergang, Treppensteigen oder Dehnübungen – Bewegung bringt den Körper in Schwung und verhindert, dass man innerlich „stecken bleibt“.
    • Zurückfinden ins Selbst: klare Sicht auf die Dinge, weise Entscheidungen treffen, vom Selbst aus sehen, nicht in der Welle versinken
    • Zeit für sich nehmen: Musik hören, ein Tagebuch führen, malen oder schreiben. Diese Tätigkeiten geben Halt und helfen, die eigene Mitte zu spüren.
    • Routinen: Feste Abläufe für Mahlzeiten, Schlafenszeiten und Pausen geben Orientierung. Auch kleine Rituale – z. B. morgens das Fenster öffnen – schaffen Stabilität.
    • Alltagsaufgaben bewusst strukturieren: Einen einfachen Tagesplan schreiben: Was ist heute wirklich wichtig? Kleine Schritte abhaken – das bringt Klarheit und reduziert Überforderung.
    • Kleine Erfolge sammeln: Am Ende des Tages bewusst notieren: „Das habe ich geschafft.“ Selbst kleine Dinge – einkaufen, kochen, einen Anruf erledigen – stärken das Gefühl von Selbstwirksamkeit.
    • Mikroschritte

    Fokus auf die Zukunft

    • Neue Ziele setzen – kleine Schritte, die nichts mit der Beziehung zu tun haben (z. B. ein neues Hobby).
    • Vision entwickeln – sich vorstellen: Wie möchte ich in 1 Jahr leben?
    • Stärken bewusst machen – eine Liste schreiben: „Was kann ich gut? Was macht mich aus?“
    • Soziale Kontakte pflegen – neue Begegnungen ermöglichen positive Erfahrungen.
    • Selbstbestimmung üben – Entscheidungen im Alltag bewusst selbst treffen.


    Von einer nahestehenden Person abgewiesen zu werden, ist für jede Person schwer. Für Menschen mit DIS bedeutet es jedoch, dass alte Traumawunden aufbrechen. Wichtig ist: Die Abweisung sagt mehr über diese Person aus als über den eigenen Wert. Heilung bedeutet, den Schmerz ernst zu nehmen, innere Anteile zu trösten – und Schritt für Schritt zu erfahren:



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