Von der Angst zur Sicherheit
Angst ist ein zentrales Gefühl für Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung (DIS).
Sie war in der Kindheit überlebenswichtig: Angst hielt wachsam, verhinderte vielleicht Schlimmeres, warnte vor Gefahr. Doch sie wurde chronisch – das Nervensystem lernte: „Ich bin nie sicher.“
Heute taucht diese alte Angst in Alltag und Triggern wieder auf:
- Panik ohne erkennbare Ursache.
- Daueranspannung, Schlafprobleme, ständiges Auf-der-Hut-sein.
- Anteile, die sofort Alarm schlagen, auch wenn objektiv keine Gefahr besteht.
Das Gegengewicht ist Sicherheit. Sicherheit bedeutet: Ich darf heute gestalten, wie ich mich schütze. Ich bin nicht mehr ausgeliefert.
Schemaübung: Von der Angst zur Sicherheit in 7 Schritten
1. Auslöser erkennen
Etwas ruft Angst hervor: Geräusch, Nähe, Erinnerung.
2. Signale wahrnehmen
Herzrasen, Enge im Brustkorb, Alarm im Kopf.
3. Realität prüfen
Fragen: „Bin ich jetzt in Gefahr – oder reagiert mein Körper auf früher?“
4. Sicherheit herstellen
Beispiel: Tür schließen, Licht anschalten, Decke umlegen.
5. Kleine Handlung ausführen
Ein Glas Wasser trinken, die Füße fest auf den Boden drücken, tief ausatmen.
6. Wirkung beobachten
Spüren: „Die Angst wird ein Stück kleiner. Ich habe Einfluss.“
7. Erfahrung anerkennen
Sich innerlich sagen: „Ich habe für Sicherheit gesorgt. Ich bin geschützt.“
Weitere Wege zur Sicherheit
Sicheren Ort gestalten
Einen Platz im Zimmer einrichten: Decke, Kissen, warmes Licht. Dieser Ort wird zum Signal: Hier bin ich geschützt.Innere Sicherheit üben
Einen inneren Ort vorstellen – z. B. eine Höhle, ein Garten, ein Raum mit Tür. Immer wieder bewusst dorthin „gehen“ stärkt das Gefühl von Geborgenheit.Schutzsymbole nutzen
Einen Stein, ein Armband oder einen Zettel bei sich tragen. Wenn Angst auftaucht, den Gegenstand berühren: „Ich bin nicht allein – ich habe Schutz.“Routinen einführen
Feste Abläufe wie morgens Tee kochen oder abends eine Kerze anzünden beruhigen das Nervensystem: Es ist alles in Ordnung.Realitätscheck machen
Fragen: „Welches Datum haben wir? Wie alt bin ich heute?“ Das verankert im Jetzt: Die Gefahr liegt in der Vergangenheit.Körper einsetzen
Die Füße fest in den Boden drücken, stampfen, tief atmen oder sich in eine Decke wickeln. Der Körper meldet: Ich bin hier und sicher.Natur spüren
Sich an einen Baum lehnen, den Himmel betrachten, Wind im Gesicht spüren. Die Beständigkeit der Natur vermittelt Halt.Anteile beruhigen
Innendialog führen: „Danke, dass du mich warnst – heute passe ich auf.“ So erleben innere Kinder Schutz im Jetzt.Unterstützung einbeziehen
Eine vertraute Person kontaktieren – anrufen, schreiben oder Nähe zulassen. Auch das Wissen: Ich könnte Hilfe holen gibt Sicherheit.Entlastende Rituale nutzen
Nach einer Belastung bewusst etwas Tun: duschen, Hände waschen, frische Luft atmen. Rituale signalisieren dem Nervensystem: Die Gefahr ist vorbei.Beruhigende Reize einsetzen
Sanfte Musik, angenehme Düfte oder eine weiche Decke helfen, Sicherheit über die Sinne zu spüren.Angst loslassen
Gedanken oder Gefühle aufschreiben und den Zettel weglegen oder zerreißen. Botschaft: Die Angst ist festgehalten – sie kontrolliert mich nicht mehr.Angst war einmal überlebenswichtig.
Heute darf sie kleiner werden – weil Sicherheit möglich ist.
„Ich bin jetzt sicher. Ich darf mich beruhigen.“