Von der Abhängigkeit zur Selbstständigkeit

Für viele Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung (DIS) war Abhängigkeit in der Kindheit unausweichlich. Sie waren auf Erwachsene angewiesen – für Nahrung, Schutz oder Zuwendung. Doch oft waren es gerade diese Menschen, die gefährlich waren. Das Nervensystem lernte: „Ich kann nicht überleben, ohne abhängig zu sein.“

Heute zeigt sich Abhängigkeit im Alltag so:

  • Angst, allein Entscheidungen zu treffen.
  • Panik, wenn Bezugspersonen nicht erreichbar sind.
  • Das Gefühl: „Ich brauche unbedingt jemanden, sonst geht es nicht.“

Doch ein Gegengewicht ist möglich: Selbstständigkeit. Selbstständig sein bedeutet nicht, alles allein zu schaffen. Es heißt: Ich darf erleben, dass ich Dinge eigenständig tun kann – und dass ich überlebe, auch wenn niemand neben mir steht.



Schemaübung: Von der Abhängigkeit zur Selbstständigkeit in 7 Schritten

1. Auslöser erkennen

Beispiel: Jemand meldet sich nicht zurück → Panik entsteht.

2. Gefühle wahrnehmen

Körper: Unruhe, Druck im Bauch. Gefühle: Angst, Hilflosigkeit.

3. Innere Erlaubnis geben

„Ich darf auch ohne andere handeln.“

4. Handlungsspielraum prüfen

„Was kann ich jetzt allein tun?“

5. Kleine Handlung ausführen

Eine Mahlzeit selbst machen, einen Brief einwerfen.

6. Wirkung beobachten

„Ich habe gehandelt – und es ging.“

7. Anerkennen

„Ich war selbstständig – ein kleiner Schritt.“


Weitere Wege zur Selbstständigkeit

Kleine Alltagsaufgaben bewusst allein übernehmen

Zeigt dem Körper: Ich kann Dinge selbst erledigen.

Dinge schriftlich planen

Listen geben Halt und machen sichtbar: Ich habe Struktur.

Notfallplan anlegen

Vermittelt: Auch ohne andere weiß ich, was zu tun ist.

Selbstwirksamkeitserlebnisse sammeln

Z. B. etwas reparieren oder Ordnung schaffen.

Eigene Vorlieben pflegen

Essen, Kleidung oder Hobbys bewusst selbst wählen.

Selbstgespräche üben 

Sätze wie „Ich kann das auch allein“ beruhigen das Nervensystem.

Anteile unterstützen 

Innere Kinder beruhigen: Heute schaffen wir das selbst.

Erfolge dokumentieren

Aufschreiben, was allein gelungen ist.

Mutig kleine Schritte allein gehen

Z.B. ein Spaziergang oder Einkauf.

Selbstfürsorge üben

Sich selbst etwas Gutes tun, ohne dass andere nötig sind.



Abhängigkeit war früher lebensnotwendig.

Doch heute darf Selbstständigkeit wachsen – Schritt für Schritt, im Kleinen beginnend.

„Ich kann Dinge allein tun – und ich überlebe auch dann, wenn niemand neben mir steht.“

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