Vom Gefühl der Hilflosigkeit zur Stärke
Für viele Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung (DIS) ist Hilflosigkeit ein prägendes Grundgefühl. In der Vergangenheit gab es oft Situationen, in denen man nichts tun konnte: Gewalt, Abhängigkeit, Willkür. Das Nervensystem hat gelernt: „Ich habe keine Macht, ich bin ausgeliefert.“
Beispiel: Jemand redet über dich hinweg, eine Situation entgleitet dir.
Gefühle: Ohnmacht, Leere, inneres „Einfrieren“.
Auch winzige Schritte zählen.
Beispiel: Mehr Atemluft, ein klarerer Gedanke, ein bisschen mehr Raum.
Heute taucht dieses Gefühl in Alltag und Triggern wieder auf. Es zeigt sich als Erstarren, Schweigen, inneres Zusammenbrechen oder das Gefühl, nichts entscheiden zu können.
Innere Anteile erleben Hilflosigkeit unterschiedlich – manche warten passiv ab, andere ertragen, wieder andere ziehen sich in die innere Unsichtbarkeit zurück.
Doch ein Gegengewicht ist möglich: Stärke.
Stärke bedeutet nicht, immer hart oder unerschütterlich zu sein.
Es heißt: Ich erkenne meinen Handlungsspielraum, ich kann kleine Entscheidungen treffen und ich darf für mich sorgen.
Doch ein Gegengewicht ist möglich: Stärke.
Stärke bedeutet nicht, immer hart oder unerschütterlich zu sein.
Es heißt: Ich erkenne meinen Handlungsspielraum, ich kann kleine Entscheidungen treffen und ich darf für mich sorgen.
Schemaübung: Von der Hilflosigkeit zur Stärke in 7 Schritten
1. Auslöser wahrnehmen
Etwas löst das Gefühl von Hilflosigkeit aus.Beispiel: Jemand redet über dich hinweg, eine Situation entgleitet dir.
2. Körperliche und emotionale Signale erkennen
Körper: Herzklopfen, Erstarren, Schwere.Gefühle: Ohnmacht, Leere, inneres „Einfrieren“.
3. Innere Erlaubnis geben
Sich sagen: „Ich darf handeln, auch wenn es klein ist.“4. Handlungsspielraum finden
Fragen: „Was liegt jetzt in meiner Macht?“Auch winzige Schritte zählen.
5. Kleine Handlung ausführen
Beispiele: Die Hände bewegen, bewusst atmen, einen Satz aussprechen, einen Schritt zur Seite gehen.6. Wirkung spüren
Sich bewusst machen: „Etwas hat sich verändert.“Beispiel: Mehr Atemluft, ein klarerer Gedanke, ein bisschen mehr Raum.
7. Erfolg anerkennen
Innerlich würdigen: „Ich war nicht hilflos – ich habe etwas getan.“Weitere Wege zur Stärkung
Mini-Entscheidungen üben
Im Alltag Kleines bewusst wählen: Welches Glas, welcher Stift, welcher Platz im Raum.Bewegung einsetzen
Hilflosigkeit zeigt sich oft als Erstarren. Jede Bewegung – Finger reiben, Füße stampfen – ist ein Signal von Stärke.Stark-Sätze formulieren
Kurze Sätze vorbereiten: „Ich darf entscheiden.“ – „Ich habe Einfluss.“ – „Ich bin nicht wehrlos.“Innere Bündnisse schließen
Mit Anteilen sprechen: „Wer fühlt sich hilflos? Wer könnte helfen?“ – Stärke entsteht im Miteinander.Symbole nutzen
Einen Stein, eine Kette oder einen Zettel in der Tasche als Erinnerungszeichen: „Ich bin stärker, als ich denke.“Erfolge sichtbar machen
Ein Notizbuch führen, auch mit kleinsten Erfolgen: „Ich habe heute Nein gesagt.“ – „Ich habe den Raum verlassen.“Schutzrituale einführen
Nach einer schwierigen Situation bewusst etwas tun: Fenster öffnen, Licht einschalten, Hände reiben.Starke Körperhaltung üben
Aufrecht stehen, Schultern zurück, tief atmen – das Nervensystem spürt den Unterschied.Hilfe einfordern
Stärke heißt auch: Unterstützung zulassen – bei Freundinnen, Therapeutinnen, im Alltag.Schrittweise Grenzen setzen
Nicht alles auf einmal. Erst kleine Neins üben, dann größere.Hilflosigkeit war einst ein Überlebensgefühl – ein Signal des Körpers: „Du kannst nichts tun.“
Doch heute gibt es neue Möglichkeiten.
Stärke wächst nicht über Nacht, sondern in vielen kleinen Schritten: eine Entscheidung, ein „Nein“, ein bewusster Atemzug.
Jeder dieser Schritte sendet eine neue Botschaft:
„Ich bin nicht mehr hilflos. Ich habe Einfluss. Ich habe Stärke.“