Viele Bezeichnungen für innere Anteile

Wer mit einer Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) lebt oder sich mit Teilearbeit in der Psychotherapie beschäftigt, stößt schnell auf viele verschiedene Begriffe. Mal ist von „Ego States“ die Rede, mal von „Innenpersonen“, mal von „Parts“. Das kann verwirrend wirken – beschreibt aber im Kern immer dasselbe Phänomen: dass die Persönlichkeit in mehrere Zustände oder Anteile aufgeteilt ist.

Im Folgenden ein Überblick, wie Anteile in unterschiedlichen Schulen und Kontexten bezeichnet werden.


Klinische Begriffe

Identitätszustände

Offizieller Begriff in DSM-5 und ICD-11.

Beschreibt die verschiedenen Zustände bei DIS, neutral und klinisch.

Dissoziative Zustände

Fachsprachlicher Ausdruck in der Psychiatrie.

Betonung liegt auf der Abspaltung, nicht auf „ganzen Persönlichkeiten“.


Psychodynamische Sichtweisen

Ego States (Ich-Zustände)

Kommen aus der Ego-State-Therapie (Watkins, 1970er).

Innere Ich-Zustände, die therapeutisch angesprochen werden können.

Ich-Anteile

Begriff aus der Psychoanalyse und Psychodynamik.

Betont, dass es sich um verschiedene Teile des Ich handelt, nicht um getrennte Personen.


Theorien der Dissoziation

ANPs und EPs

Entwickelt von Van der Hart, Nijenhuis & Steele (2004 ff.).

ANP = „Anscheinend normale Persönlichkeit“ (Alltag, Funktionieren).

EP = „Emotionale Persönlichkeit“ (trägt traumatische Erfahrungen).


Systemische und moderne Ansätze

Parts

Begriff aus der Internal Family Systems (IFS)-Therapie (Schwartz, ab 1980er).

Alle Teile sind „Parts“, z. B. Manager, Firefighter, Exiles. Jeder Teil hat eine positive Absicht.

Selbstanteile / innere Stimmen

Begriffe aus Gestalttherapie und systemischen Methoden.

Betonen Aspekte des Selbst, die in den Dialog gebracht werden können.


Populäre Konzepte und Selbsthilfe

Inneres Kind / Innenkinder

Verbreitet in populärer Psychotherapie (z. B. John Bradshaw, 1990er).

Beschreibt verletzte oder kindliche Anteile, die bis heute Gefühle prägen.

Innens / Innies /  Innenpersonen

Typische Selbstbezeichnung in der DIS-Community.

Betont die Eigenständigkeit der Anteile, oft respektvoller Eigenname.

Systemmitglieder

Begriff aus Online-Communitys und Peer-Support.

Jeder Anteil ist Teil des „Systems“, gemeinsam bilden sie das Ganze.


Praktische Differenzierungen

Fragmente, Funktionsanteile, stabile Anteile

Kommen aus traumatherapeutischer Praxis und Psychoedukation.

Fragmente = Bruchstücke, Funktionsanteile = spezialisiert, stabile Anteile = mit eigener Identität.


Alltagssprache

Stimmen im Kopf / Figuren

Spontane Beschreibungen, wenn Betroffene das Erleben in Worte fassen.

Hilfreich, um die Erfahrung zu vermitteln, kann aber auch stigmatisierend wirken.


Ob man von Identitätszuständen, Ego States, Parts oder Innies spricht – gemeint ist immer das gleiche Grundprinzip: Die Persönlichkeit hat sich aufgeteilt, damit das Kind überleben konnte. Jede Fachrichtung hat dafür ihre eigene Sprache entwickelt.


Wichtig ist weniger der Begriff als die Haltung: Alle Anteile verdienen Respekt und haben ihre eigene Bedeutung.

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