Stimming zur Selbstregulation nutzen
Was bedeutet "Stimming"?
„Stimming“ kommt aus dem Englischen (self-stimulatory behavior), stammt ursprünglich aus den 1960/70er Jahren aus der angloamerikanischen Verhaltensforschung und bedeutet: sich selbst durch wiederholende Bewegungen oder Handlungen zu beruhigen oder zu regulieren. Man kann Stimming auch als Selbstregulation bezeichnen. Dazu gehören Schaukeln, Wippen, Summen, Zupfen an Kleidung, Fingertrommeln, Kreisen oder andere rhythmische Bewegungen.
Warum Stimming bei DIS hilfreich sein kann
Beruhigung bei Übererregung
Wenn Flashbacks oder Erinnerungsfragmente hochkommen, ist das Nervensystem in Alarmbereitschaft.
Rhythmische Bewegungen oder monotone Geräusche können beruhigen.
Beispiele: sanftes Wiegen, sich in eine Decke einhüllen und leicht hin- und herwippen, beruhigendes Summen.
Aktivierung bei Untererregung
Manche Betroffene fallen in Erstarrung oder Dissoziation (Hypoarousal).
Stimming kann helfen, den Körper zu „wecken“.
Beispiele: mit den Füßen wippen, in die Hände klatschen, im Zimmer auf- und abgehen, kleine Sprünge machen.
Struktur ins Chaos bringen
Dissoziation fühlt sich oft chaotisch, bruchstückhaft und unkontrollierbar an.
Rhythmus und Wiederholung schaffen Vorhersagbarkeit.
Beispiele: Fingerspiele, Perlenkette durch die Finger laufen lassen, gleichmäßig trommeln.
Sicherheit vermitteln
Besonders Kinderanteile greifen instinktiv auf Stimming zurück, weil es beruhigend wirkt.
Erlaubnis, dies zu tun, signalisiert: „Du darfst dich so beruhigen, wie du es brauchst.“
Beispiele: Stofftier streicheln, Daumen reiben, an einer Decke nuckeln oder sie festhalten.
Stimming-Methoden zur Regulation bei DIS
Körperbewegungen
ganz leicht Vor- und Zurückschaukeln im Sitzen.Seitlich hin- und herwippen im Stehen.
Im Raum gleichmäßig auf- und abgehen.
Mit den Füßen rhythmisch auf den Boden tippen.
Kleine Sprünge machen (Mini-Hüpfer).
Sanft die Schultern kreisen.
Hände & Finger
Mit den Fingern auf Tisch oder Oberschenkel trommeln.Ein Gummiband zwischen den Fingern spannen und leicht ziehen.
Knöpfe oder Reißverschlüsse auf- und zuziehen.
Stoff oder Kleidung zwischen den Fingern reiben.
Haare zwirbeln oder Zöpfe drehen.
Mit einem Ring am Finger spielen.
Geräusche & Stimme
Leise summen.Ein beruhigendes Lied singen oder pfeifen.
Zahlen oder Wörter rhythmisch wiederholen.
Geräusche nachahmen (z. B. Meeresrauschen, Herzschlag).
Rhythmisches Atmen mit hörbarem Ausatmen.
Summen in unterschiedlichen Tonhöhen (hoch–tief–hoch).
Objekte nutzen
Einen Stressball drücken.Einen Fidget-Cube oder Spinner benutzen.
Murmeln oder Steine durch die Hand rollen lassen.
Eine Perlenkette oder ein Armband durch die Finger gleiten lassen.
Einen kleinen Würfel oder Baustein immer wieder drehen.
Ein Kuscheltier fest umarmen.
Sinnesstimulation & Umgebung
Mit einer weichen Decke reiben oder sich einhüllen.Barfuß über Teppich oder Gras laufen.
Ein warmes oder kaltes Getränk in den Händen halten.
Einen glatten Stein oder Kristall festhalten.
Mit Wasser spielen (Hände eintauchen, Tropfen fühlen).
Mit Sand spielen (ihn durch die Hände rieseln lassen)
Mit Seifenblasen pusten und dem Schweben zusehen.