Ressourcen-Anteile – Die vergessene Stärke im Inneren

 Wenn man über Dissoziative Identitätsstörung (DIS) spricht, fällt der Blick fast automatisch auf Trauma, auf Gewalt, auf innere Spaltungen und Schmerzen. Oft wird dabei vergessen, dass ein dissoziatives System nicht nur Leid abgespalten hat, sondern auch Gutes bewahrt. Viele Systeme kennen Ressourcen-Anteile, die schöne Erinnerungen, positive Gefühle und Erlebnisse in sich tragen. Diese Anteile sind leise, aber sie sind unendlich wertvoll. Sie zeigen, dass Überleben nicht nur heißt, das Schreckliche auszuhalten, sondern auch das Schöne zu retten.

Ressourcen-Anteile sind kleine Schatzhüter. Während traumatische Anteile die Last des Schmerzes tragen, haben Ressourcen-Anteile etwas anderes bewahrt: Momente von Freude, Geborgenheit, Lachen, Naturerlebnisse. Sie sind da, damit diese Erinnerungen nicht vom Trauma zerstört werden. Oft tauchen sie in Momenten auf, in denen die Gegenwart sicherer ist, oder wenn das System eine Pause braucht. Dann öffnen sie ihre Türen und lassen etwas Licht herein.


Ein Beispiel ist das Sommerkind. Es bewahrt die Erinnerung an warme Tage im Garten, an Sonne auf der Haut, das Gefühl von Freiheit, wenn man über Gras rennt. Wenn es sich meldet, spürt man plötzlich Leichtigkeit – ein Echo von etwas, das einmal gut war.


Beispiele für Ressourcen-Anteile

Diese Ressourcen-Anteile sind wie kleine Schatztruhen im System. Sie tragen nicht nur Fähigkeiten, sondern auch die Fähigkeit zur Freude, zur Geborgenheit, zum Glück. Sie erinnern daran, dass Überleben nicht nur aus Trauma besteht, sondern auch aus bewahrtem Leben.

Das Sommerkind

bewahrt die Erinnerung an warme Tage im Garten, Sonne auf der Haut, das Gefühl von Freiheit.

Die Musikliebende

trägt das Glücksgefühl, ein Lieblingslied zu hören oder selbst zu singen.

Die Tierfreundin

erinnert an Nähe zu einem Haustier, Geborgenheit durch Streicheln und Kuscheln.

Die Naturverbundene

hütet das Erleben von Waldspaziergängen, dem Rauschen von Blättern, dem Blick in den Himmel.

Die Spielerische

trägt Freude an Spielen, Lachen, Rennen, Toben, Spaß ohne Angst.

Die Erinnernde

hat schöne Gerüche gespeichert: frisch gebackenes Brot, Blumen, Regen auf Asphalt.

Die Genussvolle

bewahrt Momente von leckerem Essen, Süßigkeiten, besonderen Mahlzeiten.

Die Kreative

erinnert an Malen, Basteln, Geschichten erfinden; die Freude am Ausdruck.Der Körperbewusste

hält schöne Körpergefühle fest: Wärme, Kuscheln, Geborgenheit.

Die Hoffnungsvolle

erinnert an Augenblicke, in denen Zukunft denkbar war, an Träume und Wünsche.

Die Reisende

bewahrt Ausflüge oder Ferienerlebnisse: Meer, Berge, Abenteuer.

Die Gemeinschaftliche

trägt Erinnerungen an gemeinsames Lachen mit Freunden oder Geschwistern.

Die Mutige

erinnert an erste Erfolgserlebnisse, Stolz, das Gefühl: „Ich habe es geschafft.“

Die Geborgene

hält Erinnerungen an einen sicheren Schoß, eine Umarmung, an Schutz.

Die Wissbegierige

bewahrt Freude am Lernen, am Entdecken, am neugierigen Fragen.

Die Spielerin

erinnert an Lieblingsspielzeug, Puppen, Bauklötze, Fantasiewelten.

Die Feiernde

hält die Erinnerung an Geburtstage, Kerzen auspusten, kleine Feste.

Die Erdende

erinnert an das Gefühl, barfuß über Wiese oder Sand zu laufen.

Die Lesende

bewahrt die Freude an Geschichten, Vorlesen, Märchen oder Büchern.

Die Lichtvolle

trägt Erinnerungen an Lichter: Kerzenschein, Weihnachtsbaum, Sterne am Himmel.


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