Ressourcen aktivieren – Kraftquellen bewusst einsetzen

Das Leben mit einer Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) bedeutet für viele Betroffene, oft mit Überforderung, innerer Anspannung oder Erinnerungsfluten zu kämpfen. In solchen Momenten rücken die belastenden Erfahrungen in den Vordergrund – während all das, was Kraft gibt, in den Hintergrund tritt. Viele haben gelernt, nur auf Gefahren zu achten, nicht aber auf das, was stärkt.

Dabei trägt jeder Mensch Ressourcen in sich: innere und äußere Kraftquellen, die Halt geben können. Das können kleine Dinge sein wie eine warme Tasse Tee, ein Lied, das beruhigt, eine Freundin, die zuhört, eine Erinnerung an ein schönes Erlebnis – oder auch Fähigkeiten, die man entwickelt hat: Kreativität, Durchhaltevermögen, Humor.

Ressourcen aktivieren heißt: diese Kraftquellen bewusst wahrnehmen, hervorholen und nutzen. Gerade in einem Alltag mit DIS ist das entscheidend, um die Balance zu halten. Ressourcen sind nicht nur „nette Extras“, sondern Gegengewichte zu den Belastungen. Sie erinnern daran: „Es gibt nicht nur Trauma, es gibt auch Leben.“


Hintergrund

Traumaerfahrungen verankern das Nervensystem oft in einem ständigen Alarmzustand. Das Gehirn ist darauf trainiert, Gefahren früh zu erkennen – und übersieht dabei das Positive. Ressourcenarbeit hilft, die Aufmerksamkeit umzulenken und das Erleben zu erweitern. Neurobiologisch stärkt sie die Bereiche des Gehirns, die für Regulation, Wohlbefinden und Selbstwirksamkeit zuständig sind.

Für Anteile bedeutet das: Auch sie dürfen lernen, nicht nur Bedrohung, sondern auch Sicherheit, Freude und Stärke wahrzunehmen. Gerade kindliche Anteile profitieren von positiven Erfahrungen, die das System gemeinsam abspeichert.


Übung

Variante 1: Ressourcenliste

  • Schreibe alle Dinge auf, die dir gut tun – auch die kleinsten (z. B. „duschen“, „bestimmte Musik“, „mit Katze kuscheln“).
  • Ergänze auch Menschen, Orte, Fähigkeiten.
  • Halte die Liste griffbereit, um sie im Notfall nachzulesen.

Variante 2: Ressourcenbild

  • Wähle eine schöne Erinnerung oder eine positive Vorstellung.
  • Stell dir diese Szene so lebendig wie möglich vor (sehen, hören, fühlen).
  • Sage dir: „Das ist meine Kraftquelle. Ich kann sie immer wieder abrufen.“
Variante 3: Ressourcenkiste

  • Sammle kleine Gegenstände, die dich stärken (Fotos, Steine, Duftöl, Zettel mit stärkenden Sätzen).
  • Lege sie in eine Box, die du im Notfall öffnen kannst.


Wirkung

  • Balance: Positives gleicht Belastungen aus.
  • Stärkung: Erinnerung an eigene Fähigkeiten und Überlebenskraft.
  • Beruhigung: Positive Sinneseindrücke aktivieren das Nervensystem in Richtung Ruhe.
  • Selbstwirksamkeit: „Ich habe Einfluss auf mein Befinden.“


Alltagsbeispiel

Jana merkt, dass sie nach einem Flashback kaum aus der Erstarrung kommt. Statt sich hilflos zu fühlen, öffnet sie ihre Ressourcenkiste: Sie nimmt den kleinen Stein heraus, den sie vom Meer mitgebracht hat, hört ihr Lieblingslied und schaut ein Foto ihrer besten Freundin an. Schon nach wenigen Minuten fühlt sie sich etwas stabiler. Die Erinnerung an die guten Dinge tritt wieder in den Vordergrund – und die Panik verliert an Kraft.


Tipps & Varianten

  • Für Kinderanteile: Kuscheltiere, Bilderbücher, kleine Spielsachen in die Ressourcenkiste legen.
  • Für Erwachsene Anteile: Erinnerungen an berufliche Erfolge, Hobbys oder Fähigkeiten sammeln.
  • Für unterwegs: Foto oder Musikdatei auf dem Handy speichern.
  • Kombinieren: Ressourcen bewusst nach schwierigen Situationen einsetzen, um schneller wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

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