Ursachen für eine Dissoziative Identitätsstörung

Was kann zu DIS führen?

Die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) gehört zu den schwersten Traumafolgestörungen. Sie entsteht nicht zufällig, sondern in einem ganz bestimmten Kontext: durch wiederholte, schwer belastende Erfahrungen in der frühen Kindheit, die das kindliche Nervensystem überfordern.

Damit sich eine DIS entwickeln kann, müssen mehrere Bedingungen zusammentreffen: frühe Verletzlichkeit, anhaltende Traumatisierungen, Täter in enger Bindung, fehlender Schutz – und ein Gehirn, das als Notlösung mit Spaltung reagiert.
Beispiele: Wie frühe Erfahrungen Anteile prägen
 

Gewalt durch Bezugspersonen

Ein Kind erlebt, dass die Person, von der es abhängig ist, Gewalt ausübt. Es kann nicht fliehen. 

Das Gehirn reagiert: 
Alltagsanteil: übernimmt den normalen Tagesablauf (z. B. Schule, Spielen).
Schutzanteil: beobachtet genau, wann Gefahr droht, und versucht, durch angepasstes Verhalten Schläge zu vermeiden.
Gefühlsanteil: spürt die Angst und den Schmerz, wird aber abgespalten, damit das Kind „funktionieren“ kann.
 

Sexueller Missbrauch

Ein Kind wird wiederholt sexuell missbraucht und kann das Erlebte nicht einordnen.

Um weiterzuleben, spaltet sich das Erleben auf:
Gefangener Anteil: trägt die Erinnerung und die körperlichen Empfindungen.
Abspaltender Anteil: sorgt dafür, dass diese Erinnerungen im Alltag nicht durchbrechen.
Anpassungsanteil: lächelt, spielt und geht zur Schule, als sei nichts passiert.
 

Emotionale Vernachlässigung

Ein Kind wird nicht geschlagen, aber seine Bedürfnisse nach Nähe, Trost und Schutz werden dauerhaft ignoriert.

Auch das kann prägende Spaltungen erzeugen:
Hilfloser Anteil: fühlt die Leere, den Schmerz, das „nicht gesehen werden“.
Leistungsanteil: entwickelt Perfektionismus, um doch Anerkennung zu bekommen.
Abweisender Anteil: verhindert, dass Nähe gesucht wird, weil das früher schmerzhaft war.
 

Unberechenbare Situationen

Manchmal wechseln Täter zwischen Liebe und Gewalt. Für das Kind ist es unmöglich einzuschätzen, was gleich kommt. 

Daraus können entstehen:
Bindungsanteil: sucht verzweifelt nach Zuwendung.
Misstrauensanteil: warnt ständig: „Trau niemandem!“
Überlebensanteil: blendet Gefühle komplett aus, um handlungsfähig zu bleiben.
 

Fehlende Hilfe von außen

Das Kind erlebt Gewalt, aber niemand greift ein.

Dadurch verfestigt sich das Muster, alles im Inneren regeln zu müssen:
Starker Anteil: schwört, niemals schwach zu sein.
Verzweifelter Anteil: trägt Trauer und Sehnsucht nach Rettung.
Kontrollanteil: sorgt dafür, dass nichts nach außen dringt, damit niemand „merkt“, was los ist.


Eine DIS entsteht, wenn ein Kind über längere Zeiträume extrem belastet wird und keine Möglichkeit hat, Hilfe zu bekommen oder zu fliehen. Das Gehirn löst die Überforderung, indem es verschiedene „Anteile“ bildet, die jeweils bestimmte Aufgaben übernehmen: Überleben, Funktionieren, Fühlen, Vergessen, Schützen.

So werden Anteile zu Trägern verschiedener Erfahrungen – und das Kind überlebt, obwohl es eigentlich nicht auszuhalten war.

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