Innere Verträge – Absprachen zwischen Anteilen

In vielen Systemen mit Dissoziativer Identitätsstörung (DIS) prallen Bedürfnisse, Ängste und Schutzmechanismen aufeinander. Manche Anteile wollen Nähe, andere strikte Distanz. Einige wollen arbeiten, andere spielen. Um das Chaos zu verringern, können innere Verträge helfen – Absprachen, die wie kleine Regeln im System wirken.


Warum innere Verträge wichtig sind

Verbindlichkeit

Jeder Anteil weiß, dass Vereinbarungen gelten.

Fairness

Niemand wird übergangen – alle dürfen mitreden.

Sicherheit

Klare Regeln reduzieren spontane Konflikte.

Alltagstauglichkeit

Absprachen helfen, Schule, Arbeit oder Familie besser zu meistern.

Heilung

Anteile lernen, dass Kooperation möglich und hilfreich ist.


Wie man innere Verträge gestaltet

Vorbereitung

Eine innere Konferenz oder ein ruhiger Moment, in dem alle, die möchten, ihre Stimmen einbringen.

Sprache

Einfache, klare Sätze: „Wenn X passiert, machen wir Y.“ – keine langen juristischen Formulierungen.

Schriftlich festhalten

Ein Heft oder Zettelbox nur für Verträge. Manche Systeme nutzen auch digitale Dokumente.

Zustimmung einholen

Alle betroffenen Anteile werden gefragt: „Kannst du damit leben?“

Überprüfen

Verträge gelten nicht für immer – regelmäßig nachschauen: Passt das noch?


Beispiele für innere Verträge

„Nach 22 Uhr übernehmen nur ruhige Anteile, damit wir schlafen können.“

„Kindanteile dürfen malen, aber nicht allein einkaufen gehen.“

„Schutzanteile dürfen warnen, aber keine Selbstverletzung auslösen.“

„Wir schreiben schwierige Erinnerungen nur ins Tagebuch, nicht mitten in der Nacht.“

„Wenn ein Trigger auftaucht, versuchen wir zuerst drei Atemzüge, bevor wir wechseln.“


Praktische Tipps

  • Verträge sichtbar machen (Zettel, Heft, Collage).
  • Kleine, realistische Absprachen treffen – besser ein Schritt als zehn auf einmal.
  • Erfolge feiern, wenn ein Vertrag funktioniert.
  • Keine Schuldzuweisungen, wenn ein Vertrag mal bricht – lieber nachjustieren.
  • Verträge immer mit dem Ziel: Mehr Sicherheit und weniger Chaos.



Innere Verträge sind wie kleine Brücken zwischen Anteilen. 

Sie schaffen Ordnung, wo sonst Verwirrung herrscht, und zeigen:

 Wir können uns einigen, auch wenn wir verschieden sind.

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