Innere Sicherheit finden mit dem SAFE-Modell

Sicherheit ist für viele Menschen mit Trauma- oder DIS-Erfahrungen kein selbstverständliches Gefühl. Selbst wenn die Wohnungstür abgeschlossen ist und objektiv keine Gefahr droht, bleibt innen oft ein Rest von Unsicherheit.

Doch Sicherheit kann man Stück für Stück aufbauen – nicht nur im Außen, sondern auch in sich selbst. Ein hilfreiches Bild dafür ist das SAFE-Modell: Vier Aspekte, mit denen wir uns selbst und unseren Anteilen Sicherheit vermitteln können.
 

S – Struktur

Struktur bedeutet Ordnung im Alltag.
Rituale, feste Abläufe und kleine Routinen geben Orientierung.
Ein klarer Tagesplan zeigt: Jemand übernimmt Verantwortung.
Für Anteile kann das bedeuten: „Ich weiß, was heute passiert, ich kann mich entspannen.“

 A – Aufmerksamkeit

Aufmerksamkeit heißt, innere Stimmen und Gefühle wahrzunehmen.
„Ich höre dich, du darfst da sein.“
Auch wenn es widersprüchlich wirkt: Jeder Anteil hat einen Grund.
Aufmerksamkeit wirkt wie ein inneres Licht – niemand bleibt unsichtbar. 

F – Fürsorge

Fürsorge ist gelebte Selbstfreundlichkeit.
Kleine Gesten: Tee trinken, eine Decke nehmen, Pausen machen.
Sanft mit sich selbst sprechen, statt hart und fordernd.
Für Anteile: „Ich passe auf dich auf, auch wenn es schwer wird.“

E – Erlaubnis

Erlaubnis bedeutet, dass Bedürfnisse und Grenzen anerkannt werden.
„Ich darf da sein, so wie ich bin.“
„Ich darf Nein sagen.“
Für Anteile ist das oft besonders heilsam, wenn sie früher unsichtbar oder stumm bleiben mussten.

 


Sicherheit entsteht nicht über Nacht – sie wächst durch viele kleine Momente.
Das SAFE-Modell kann dabei wie ein innerer Kompass wirken.
 Es erinnert uns daran, dass Sicherheit nicht nur bedeutet, dass draußen keine Gefahr droht. Sicherheit heißt auch:
 Struktur geben, aufmerksam sein, fürsorglich handeln und Erlaubnis schenken.

 

 
Übung: 

Schreib dir einen Satz zu jedem Buchstaben auf:

S: Eine kleine Struktur, die dir Halt gibt:
„Jeden Morgen trinke ich zuerst ein Glas Wasser und öffne das Fenster.“

A: Eine innere Stimme, die du heute bewusst wahrnimmst:
„Ich höre den Anteil, der gerade Angst hat, und sage ihm: Danke, dass du mich warnen willst.“

F: Eine Geste der Fürsorge für dich:
„Ich mache mir einen warmen Tee und setze mich bewusst fünf Minuten hin, ohne Handy.“

E: Eine Erlaubnis, die du dir selbst gibst:
„Ich darf heute eine Pause machen, auch wenn noch Arbeit wartet.“

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