Ein Systembuch anlegen und führen
Viele Menschen mit einer Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) erleben ihr inneres System wie ein großes Haus mit vielen Zimmern. Manche Türen stehen offen, manche sind verschlossen, in manchen Räumen war man vielleicht noch nie. Das kann verwirrend sein: Wer gehört eigentlich alles dazu? Wer übernimmt welche Aufgaben? Und wer fühlt sich einsam oder vergessen?
Ein hilfreiches Werkzeug, um mehr Ordnung und Überblick zu schaffen, ist ein Systembuch – manchmal auch „Innere Landkarte“ genannt. Es ist ein Ort, an dem Anteile sichtbar gemacht werden können, ohne dass sie gleich im Alltag nach vorne müssen.
Was ist ein Systembuch?
Ein Systembuch ist eine Sammlung von Seiten, auf denen jeder Anteil einen Platz bekommt. Das kann sehr unterschiedlich aussehen:
- ein einfaches Notizbuch
- Karteikarten für jeden Anteil
- ein Ordner mit Register
- eine digitale Sammlung am Computer
Warum ein Systembuch helfen kann
Übersicht: Man erkennt leichter, wie viele Anteile es gibt und welche Aufgaben sie haben.Respekt: Jeder Anteil bekommt Raum und Anerkennung.
Kommunikation: Anteile können über das Buch miteinander in Kontakt treten.
Entlastung: Statt alles im Kopf zu behalten, gibt es eine äußere Struktur.
Sicherheit: Man merkt: „Ich bin nicht chaotisch – mein System hat Ordnung.“
Mögliche Inhalte einer Seite
Jede Seite kann so gestaltet werden, wie der Anteil es möchte. Mögliche Felder:Name oder Spitzname oder Funktion
Alter (gefühlt oder real)
Aufgabe im System (z. B. Schutz, Alltag, Gefühle tragen)
Stärken (z. B. mutig, kreativ, wachsam)
Bedürfnisse (z. B. Ruhe, Nähe, Musik, Rückzug)
Symbole, Zeichnungen oder Farben, die passen
Was braucht er?
Wie kann ich ihn beruhigen / Was tut ihm gut?
Manche Anteile schreiben gern selbst, andere möchten nur ein Symbol malen, wieder andere diktieren innerlich, was notiert werden soll. Alles ist erlaubt.
Praktische Tipps zum Start
Freiwilligkeit: Niemand wird gezwungen, sich einzutragen.Dosierung: Nur ein oder zwei Anteile pro Woche aufnehmen – nicht alles auf einmal.
Sicherheit beachten: Das Buch sollte an einem Ort aufbewahrt werden, der sich sicher anfühlt.
Respekt zeigen: Auch kleine Einträge zählen. Ein Smiley oder ein Bild kann mehr sagen als viele Worte.
Offen bleiben: Einträge dürfen sich im Laufe der Zeit verändern – Anteile entwickeln sich.
(Alter: 7 Jahre)
Aufgabe: Gefühle zeigen, wenn es anderen zu viel wird
Stärken: Phantasie, malen
Bedürfnisse: Kuscheldecke, Hörspiel, niemand soll schreien
Symbol: Ein lila Schmetterling
Beispielseite
Name / Funktion:(Alter: 7 Jahre)
Aufgabe: Gefühle zeigen, wenn es anderen zu viel wird
Stärken: Phantasie, malen
Bedürfnisse: Kuscheldecke, Hörspiel, niemand soll schreien
Symbol: Ein lila Schmetterling
Wie kann ich den Anteil beruhigen? Was tut dem Anteil gut? Malen und Memory spielen.
Ein Systembuch ist wie ein Familienalbum des Inneren. Es gibt jedem Anteil einen Platz und zeigt: „Du bist Teil des Ganzen. Du bist wichtig.“ So entsteht Schritt für Schritt mehr Übersicht, Anerkennung und ein Gefühl von Gemeinsamkeit im System.
Ein Systembuch ist wie ein Familienalbum des Inneren. Es gibt jedem Anteil einen Platz und zeigt: „Du bist Teil des Ganzen. Du bist wichtig.“ So entsteht Schritt für Schritt mehr Übersicht, Anerkennung und ein Gefühl von Gemeinsamkeit im System.