Das Ziel der Therapie: Ein gemeinsames "Wir"

Eine Dissoziative Identitätsstörung (DIS) bedeutet, dass die Psyche sich in verschiedene Anteile aufgespalten hat. Jeder Teil trägt Erinnerungen, Gefühle oder Funktionen. Anfangs wirken diese Anteile getrennt und oft chaotisch. Das Ziel von Therapie ist nicht, sie „wegzumachen“, sondern ein gemeinsames Wir zu entwickeln – ein inneres Team, das zusammenlebt.


Warum ein "Wir" wichtig ist

  • Sicherheit – niemand ist mehr isoliert mit seiner Last.
  • Orientierung – es ist klarer, wer gerade „vorn“ ist.
  • Stabilität – weniger unkontrollierte Wechsel.
  • Vertrauen – Anteile lernen, sich gegenseitig zu akzeptieren.
  • Identität – ein Gefühl von Zusammengehörigkeit entsteht.


Was ein "Wir" nicht bedeutet

  • Nicht Auslöschung – Anteile verschwinden nicht.
  • Nicht Gleichschaltung – jeder Teil behält seine Eigenheiten.
  • Nicht sofort – ein Wir wächst langsam.
  • Nicht erzwungen – Kooperation kann nicht befohlen werden.
  • Nicht perfekt – Konflikte gehören weiterhin dazu.


Schritte auf dem Weg zum "Wir"

  • Innere Kommunikation fördern – Gespräche, Tagebuch, Visualisierungen.
  • Absprachen treffen – wer übernimmt wann welche Aufgabe.
  • Rollen anerkennen – jeder Anteil hat eine Bedeutung.
  • Gemeinsame Ziele entwickeln – z. B. Sicherheit im Alltag.
  • Verbindende Rituale schaffen – kleine Symbole oder Sätze, die das Wir stärken.


Hindernisse auf dem Weg

  • Misstrauen – manche Anteile fürchten Vereinnahmung.
  • Stark beschützende Anteile (aka "Täterloyale Anteile) - Bindungen an alte Muster
  • Unterschiedliche Bedürfnisse – Kinder wollen spielen, Beschützer kämpfen.
  • Überforderung – zu schnelle Annäherung destabilisiert.
  • Innere Kämpfe – Konflikte können Integration bremsen.


Positive Wirkungen eines "Wir"

  • Alltag wird leichter zu bewältigen.
  • Weniger innere Konflikte.
  • Gößere Selbstbestimmung.
  • Mehr Zugang zu Ressourcen und Stärken.
  • Ein Gefühl von Zusammenhalt und Identität.

Das Ziel von Therapie bei DIS ist kein „neuer Mensch“, sondern ein inneres Miteinander. Aus vielen einzelnen Stimmen entsteht ein Chor, der nicht immer harmonisch klingt, aber gemeinsam stärker ist. Heilung bedeutet, als Ganzes zu leben – mit allen Anteilen, Erinnerungen und Möglichkeiten.

Ein Wir entsteht nicht plötzlich – es wächst aus vielen kleinen Schritten des Kennenlernens, der Akzeptanz und der Zusammenarbeit.

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