Das Erwachsene Ich (Teil 3) – Hindernisse und Lösungen

Im ersten Teil dieser Serie haben wir die Grundlagen des Erwachsenen Ichs angeschaut, im zweiten Teil die Praxis und konkrete Übungen.

Doch viele Betroffene erleben: Manchmal ist das Erwachsene Ich schwer greifbar. Plötzlich übernehmen kindliche Anteile, Schutzmechanismen blockieren oder es fühlt sich an, als sei man wieder „klein und ausgeliefert“.

Das ist normal – und genau deshalb lohnt es sich, die Hindernisse und mögliche Lösungen genauer zu betrachten.


Typische Hindernisse

Überwältigende Gefühle

Starke Angst, Trauer oder Scham können das Erwachsene Ich überlagern. Ein kindlicher Anteil fühlt sich dann wieder mitten in der Vergangenheit.

Schutzmechanismen

Manche Anteile blockieren bewusst, dass das Erwachsene Ich in den Vordergrund kommt. Sie fürchten, dass „Erwachsensein“ erneut Gefahr bedeutet.

Überforderung

Das Erwachsensein wird oft gleichgesetzt mit: „Alles alleine schaffen müssen.“ Das erzeugt Druck und führt zu Rückzug.

Zweifel

Viele fragen sich: „Bin ich überhaupt erwachsen?“ oder „Spiele ich nur eine Rolle?“ Diese Unsicherheit schwächt die Haltung.

Strenge innere Stimmen

Manche Anteile greifen das Erwachsene Ich an: „Du bist nicht stark genug.“ Solche Sätze können das Vertrauen untergraben.


Missverständnisse über das Erwachsene Ich

„Ich muss immer im Erwachsenen Ich sein.“

Nein. Auch Anteile haben ihre Berechtigung. Das Ziel ist nicht Dauer-Kontrolle, sondern ein Gleichgewicht.

„Erwachsen sein heißt perfekt sein.“

Falsch. Es reicht, kleine Schritte zu tun. Das Erwachsene Ich wächst durch Übung, nicht durch Perfektion.

 „Wenn ich weine oder Angst habe, bin ich nicht erwachsen.“

Auch Erwachsene haben Gefühle. Entscheidend ist, dass man Verantwortung übernimmt – nicht, dass man nie schwach wirkt.


Lösungen und Wege

Kleine Schritte

Das Erwachsene Ich wird wie ein Muskel stärker durch Training. Schon eine winzige Handlung zählt: einen Brief öffnen, einen Schluck Wasser trinken, einen Termin einhalten.

Anteile einbinden

Statt gegen Anteile zu kämpfen, kann das Erwachsene Ich mit ihnen sprechen:

„Danke für deine Warnung. Ich entscheide trotzdem.“

„Du darfst dich ausruhen, ich übernehme heute.“

Unterstützung holen

Das Erwachsene Ich bedeutet nicht: „Alles allein.“ Hilfe von außen – Therapeutin, Freundin, Alltagshilfen – ist Teil der Verantwortung.

Symbole und Rituale

Ein Symbol (Kette, Stein, Armband) erinnert: „Ich bin erwachsen.“

Ein Ritual (tief atmen, aufrecht sitzen, einen Satz sprechen) kann das Erwachsensein verankern.

Selbstfreundlichkeit üben

Wenn das Erwachsene Ich schwach ist, hilft keine Strenge. Besser:

„Es ist okay, dass ich schwanke.“

„Ich übe – und das genügt.“


Sanftheit statt Strenge

Viele versuchen, das Erwachsene Ich mit Härte durchzusetzen: „Reiß dich zusammen!“

Doch das funktioniert selten. Besser ist eine sanfte Haltung:

  • freundlich mit sich sprechen,
  • Fehler erlauben,
  • innere Ermutigung statt Druck.

So wächst das Erwachsene Ich von innen heraus – nicht als Diktator, sondern als freundliche Führungskraft.



Das Erwachsene Ich ist kein Zustand, den man „einmal erreicht und dann hat“. 

Es ist eine Haltung, die wächst und reift – mit Rückschlägen, mit Übung, mit Geduld.

Hindernisse sind kein Zeichen von Versagen, sondern Teil des Weges.

Jedes Mal, wenn man sich erinnert:

 „Ich bin erwachsen, ich habe Möglichkeiten“, 

wird das Fundament stabiler.

So wird das Erwachsene Ich nach und nach zur verlässlichen inneren Kraft, die das Leben im 

Heute trägt – auch wenn die Vergangenheit noch spürbar ist.


👉 Damit ist die Serie komplett:


Teil 1: Grundlagen – Was ist das Erwachsene Ich?


Teil 2: Praxis – Übungen und Checklisten


Teil 3: Hindernisse und Lösungen

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