Arbeitsblatt: "Balance in der Innenwelt"

Arbeitsblatt: "Balance in der Innenwelt"

1. Einleitung

In der Innenwelt mit vielen Anteilen gibt es häufig Spannungen:
  • Manche wollen arbeiten, andere ausruhen.
  • Ein Anteil sucht Nähe, ein anderer zieht sich zurück.
  • Kindliche Anteile wünschen Spielen oder Trost, während erwachsene Anteile Verantwortung tragen.
Balance bedeutet nicht, dass alle gleichzeitig zufrieden sind – sondern dass alle gehört und ernst genommen werden. Es geht darum, die innere „Waage“ im Blick zu behalten und Schritt für Schritt für Ausgleich zu sorgen.

2. Standortbestimmung – Wo stehe ich heute?

Selbstbeobachtung:
Welche Anteile melden sich heute besonders?
Welche Gefühle sind im Vordergrund?
Gibt es innere Stimmen, die überhört oder verdrängt werden?
Spüre ich eher Unruhe, Schwere, Leere oder Anspannung?
Schreibe deine Wahrnehmungen hier auf:

..............................................................................

..............................................................................

3. Waage der Bedürfnisse

Eine einfache Übung:

Zeichne eine Waage mit zwei Schalen.
Linke Schale: Bedürfnisse, die gerade überbetont sind (z. B. Kontrolle, Rückzug, Leistung).
Rechte Schale: Bedürfnisse, die zu kurz kommen (z. B. Nähe, Ruhe, Freude).
Überlege: Wie könnte ich die Schalen etwas ausgleichen?
Ergänze deine Waage:

..............................................................................

..............................................................................

4. Balance finden – Leitfragen

Welche Anteile dürfen heute Raum bekommen, damit sie gesehen werden?
Welche Anteile können vorübergehend zurücktreten, ohne dass Gefahr entsteht?
Gibt es einen Kompromiss, bei dem beide Seiten ein Stück weit berücksichtigt werden?
Wer in mir übernimmt die Rolle des inneren Moderators? (meist das erwachsene Ich)
Notizen:

..............................................................................

..............................................................................

5. Praktische Übungen zur Balance

Runder Tisch
Stelle dir vor, alle Anteile sitzen an einem Tisch. Jeder darf in einem Satz sagen, was er braucht. Das erwachsene Ich fasst am Ende zusammen und entscheidet über erste kleine Schritte.

Bedürfniskarten
Schreibe Grundbedürfnisse (Ruhe, Sicherheit, Nähe, Freude, Kontrolle, Ausdruck …) auf Karten. Lege sie in einer Reihenfolge, die deinem aktuellen Tag entspricht. So wird sichtbar, was gerade fehlt.

Zeitfenster vereinbaren
Ein Kindanteil bekommt abends 15 Minuten für ein Kuscheltier oder Musik. Ein Arbeitsanteil hat tagsüber 2 Stunden Fokuszeit. → Jeder Anteil spürt: „Ich komme vor.“

Ausgleich suchen
Wenn ein Anteil viel Druck macht („Alles muss perfekt sein!“), bewusst das Gegenteil einbauen („Eine kleine Pause ist erlaubt“).

Körperanker
Eine kleine Geste (z. B. Hand auf Herz oder beide Füße bewusst auf den Boden) signalisiert: „Alle Anteile sind da. Niemand wird vergessen.“

6. Balance-Notfallplan

Wenn ein Anteil plötzlich alles übernimmt:
Inneres Stopp-Signal setzen: „Halt – wir brauchen Ausgleich!“
Atmung beruhigen (4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus).
Boden spüren: Füße bewusst gegen den Boden drücken.
Das erwachsene Ich erinnert: „Wir hören dich. Wir entscheiden gemeinsam.“
Notiere, was gebraucht wird und verschiebe es ggf. auf später.

7. Reflexion am Abend

kurzer Tagebucheintrag:
Welche Anteile kamen heute zu Wort?
Gab es Momente, in denen die Waage zu sehr kippte?
Wie konnte ich gegensteuern?
Was möchte ich morgen anders versuchen?
Schreibe deine Gedanken auf:

..............................................................................

..............................................................................


8. Langfristige Balance fördern
  • Regelmäßiger Check-In: Täglich kurz innehalten: „Wie sieht meine innere Waage heute aus?“
  • Klare Strukturen: Feste Routinen geben allen Sicherheit.
  • Rituale für Ausgleich: Spaziergang, Musik, Schreiben, Austausch mit einem vertrauten Menschen.
  • Selbstfürsorge: Balance ist leichter, wenn Körper und Grundbedürfnisse versorgt sind (Schlaf, Essen, Pausen).
  • Anerkennung: Jeder Anteil hat eine Funktion. Auch widersprüchliche Bedürfnisse verdienen Respekt.

 Balance entsteht nicht durch Gleichmacherei, 
sondern durch ein inneres Miteinander, bei dem jede Stimme zählt.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Unterschiede und Gemeinsamkeiten: DIS, Borderline, PTBS und KPTBS

Beziehungsaus bei DIS – warum Trennungen so schwer und so schmerzhaft sind

Impressum