Arbeitsblatt "Leben im Überlebensmodus erkennen und verstehen"

Viele Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung erleben ihr Leben lange Zeit nicht als Leben – sondern als permanentes Überleben.

Das Nervensystem steht dauerhaft unter Alarm. Sicherheit fühlt sich ungewohnt oder sogar gefährlich an. Entspannung scheint kaum möglich.

Dieses Arbeitsblatt soll helfen:
  • den eigenen Überlebensmodus zu erkennen
  • typische Muster zu verstehen
  • erste kleine Schritte Richtung Sicherheit wahrzunehmen
Es geht nicht darum, alles sofort zu verändern.
Es geht darum, zu verstehen, was im eigenen System passiert.


Teil 1- Mein persönlicher Überlebensmodus
Überlebensmodus bedeutet: Das Nervensystem ist dauerhaft auf Gefahr eingestellt.
Lies die Aussagen langsam durch und markiere, was auf dich zutrifft.
Wahrnehmung und Wachsamkeit
□ Ich beobachte meine Umgebung ständig auf mögliche Gefahr.
□ Ich fühle mich selten wirklich sicher.
□ Ich sitze gerne so, dass ich Türen oder Ausgänge sehen kann.
□ Geräusche oder Bewegungen lenken sofort meine Aufmerksamkeit.
□ Ich scanne unbewusst die Stimmung anderer Menschen.
Welche Situationen lösen bei dir besonders starke Wachsamkeit aus?
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Entspannung fällt schwer
□ Ich kann schlecht abschalten.
□ Selbst in ruhigen Situationen bleibe ich innerlich angespannt.
□ Entspannungsübungen fühlen sich manchmal unangenehm oder bedrohlich an.
□ Urlaub oder Freizeit sind oft stressig statt erholsam.
□ Wenn ich versuche zu entspannen, wird mein Körper unruhig.
Was passiert in deinem Körper, wenn du versuchst zu entspannen?
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Starke Reaktionen auf scheinbar kleine Auslöser
□ Bestimmte Stimmen oder Tonlagen lösen Stress aus.
□ Geschlossene Türen oder Räume können Panik auslösen.
□ Unerwartete Berührungen erschrecken mich stark.
□ Plötzliche Geräusche lassen mich zusammenzucken.
□ Kritik fühlt sich schnell wie eine Bedrohung an.
Welche Auslöser kennst du bei dir?
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Teil 2 - Wie mein Nervensystem reagiert
Wenn unser Nervensystem Gefahr wahrnimmt, aktiviert es automatische Schutzreaktionen.
Diese sind nicht bewusst gesteuert. Sie haben früher geholfen zu überleben.
Welche erkennst du bei dir?

Kampf

Typische Reaktionen:
  • starke Wut
  • impulsive Verteidigung
  • Angriff oder harsche Reaktionen
Manchmal wirkt diese Reaktion nach außen übertrieben – aber das Nervensystem glaubt, sich verteidigen zu müssen.
Beispiele aus meinem Alltag:
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Flucht
Typische Reaktionen:
  • Situationen vermeiden
  • Gespräche abbrechen
  • Termine absagen
  • Rückzug
Beispiele:
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Freeze (Erstarren)
Typische Reaktionen:
  • Gedanken werden leer
  • Körper fühlt sich wie gelähmt
  • Dissoziation
  • Handlungsunfähigkeit
Beispiele:
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Fawn (Anpassen / Unterwerfen)
Typische Reaktionen:
  • es allen recht machen wollen
  • eigene Bedürfnisse unterdrücken
  • Konflikte vermeiden
  • Ja sagen, obwohl man Nein meint
Beispiele:
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Teil 3 - Überlebensmodus und Innenanteile
Bei Dissoziativer Identitätsstörung können unterschiedliche Innenanteile unterschiedliche Zustände tragen. Manche Anteile leben permanent im Überlebensmodus. Andere versuchen, Alltag zu organisieren. Manchmal entsteht dadurch ein innerer Konflikt.

Reflexion
  • Welche Anteile könnten besonders stark auf Sicherheit achten?
  • Welche Anteile versuchen vielleicht, den Alltag ruhig zu halten?
  • Gibt es Anteile, die besonders stark reagieren, wenn Gefahr wahrgenommen wird?

Teil 4 - Realitäts-Check: Vergangenheit oder Gegenwart?
Ein wichtiger Schritt ist zu lernen zu unterscheiden:
Reagiert mein Nervensystem auf die aktuelle Situation oder auf eine Erinnerung aus der Vergangenheit?
Wenn Stress entsteht, können folgende Fragen helfen:

Bin ich gerade wirklich in Gefahr?
□ Ja
□ Nein
□ Unsicher

Was spricht dafür, dass ich gerade sicher bin?
Welche Hinweise zeigen mir, dass mein Körper auf alte Erfahrungen reagiert?
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Teil 5 - Sicherheit bewusst wahrnehmen
Das Nervensystem kann nur lernen, wenn Sicherheit wiederholt erlebt wird.
Schreibe einige Punkte auf, die aktuell für Sicherheit sprechen.

Zum Beispiel:
  • eine sichere Wohnung
  • abschließbare Türen
  • unterstützende Menschen
  • rechtliche Möglichkeiten zum Schutz
Meine Sicherheitsliste:
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Teil 6- Körpersignale im Überlebensmodus
Chronischer Stress wirkt stark auf den Körper. Welche Signale kennst du bei dir?
□ Muskelverspannungen
□ Kopfschmerzen
□ Magen- oder Darmprobleme
□ Herzrasen
□ Schlafprobleme
□ Erschöpfung
□ häufige Infekte
Andere körperliche Reaktionen:
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Teil 7 - Mikro-Momente der Entspannung
Ein traumatisiertes Nervensystem kann große Entspannung als Gefahr interpretieren.
Deshalb beginnen viele Menschen mit sehr kleinen Momenten.
Welche könnten für dich möglich sein?
□ 10 Sekunden bewusst atmen
□ Schultern locker lassen
□ Füße auf dem Boden spüren
□ etwas Warmes trinken
□ ein ruhiges Geräusch hören
□ kurz aus dem Fenster schauen
Welche kleine Pause fühlt sich für dich machbar an?
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Teil 8 - Kleine Momente von Leben
Überlebensmodus bedeutet oft:
  • funktionieren
  • durchhalten
  • weiter machen
Dieses Feld ist dafür da, kleine Momente von Leben zu entdecken.
Heute habe ich erlebt:
  • einen ruhigen Moment
  • eine kleine Freude
  • etwas, das sich sicher angefühlt hat
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Teil 9 - Unterstützung und Stabilisierung
Was hilft deinem System, sich sicherer zu fühlen?
□ feste Routinen
□ sichere Menschen
□ Therapie
□ Natur
□ Bewegung
□ kreative Tätigkeiten
□ Musik
□ ruhige Orte
Was hilft dir besonders?
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Überlebensmodus ist kein Zeichen von Schwäche.
Er ist ein Schutzsystem.
Ein Nervensystem, das über lange Zeit gelernt hat:
Gefahr ist überall.

Viele Menschen mit DIS leben viele Jahre in diesem Zustand.
Doch Nervensysteme können lernen.
Langsam. Schritt für Schritt.

Nicht durch Druck.
Sondern durch Sicherheit.

Der Weg geht nicht von heute auf morgen.

Aber er existiert.

Vom Überleben zum Leben.


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