Häufige Begleiterkrankungen
Die dissoziative Identitätsstörung (DIS) tritt fast nie isoliert auf. Sie ist eine komplexe Traumafolgestörung, die durch extreme und langanhaltende Belastungen in der Kindheit entsteht. Das Nervensystem entwickelt dabei nicht nur verschiedene innere Anteile, sondern auch zahlreiche weitere Schutzmechanismen, die später als eigenständige Störungsbilder erscheinen können. Deshalb zeigen Betroffene häufig eine hohe Komorbidität – das heißt, mehrere psychische oder psychosomatische Erkrankungen treten gleichzeitig auf.
Viele dieser Begleiterkrankungen lassen sich direkt auf das zugrunde liegende Trauma zurückführen: Depressionen als Ausdruck von Ohnmacht, Angststörungen als ständige Alarmbereitschaft, somatoforme Beschwerden als körperliches Echo unverarbeiteter Erfahrungen. Hinzu kommen Störungen, die durch die Belastungen im Alltag entstehen – etwa Suchterkrankungen oder Essstörungen als Versuche der Selbstregulation.
Die Vielfalt der Komorbiditäten macht deutlich, warum DIS so schwer zu diagnostizieren ist. Oft werden zunächst nur einzelne Symptome erkannt – zum Beispiel Depression, Borderline-Muster oder eine Angststörung – während die dahinterliegende dissoziative Identitätsspaltung unbemerkt bleibt. Erst wenn man das Gesamtbild betrachtet, wird klar, dass es sich nicht um voneinander getrennte Erkrankungen handelt, sondern um Ausdrucksformen eines gemeinsamen Traumanetzwerks.
1. Traumafolgestörungen
- PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung)
- Komplexe PTBS (anhaltende Flashbacks, emotionale Dysregulation, Beziehungsprobleme)
- Dissoziative Amnesie / Fugue
2. Affektive Störungen
- Depressionen (häufig chronisch, mit Suizidgedanken)
- Bipolare Symptome können auftreten, manchmal durch Anteilwechsel schwer zu unterscheiden
3. Angststörungen
- Generalisierte Angststörung
- Panikstörung
- Phobien (z. B. soziale Phobie)
4. Selbstschädigendes Verhalten
- Selbstverletzendes Verhalten (SVV)
- Suizidversuche oder chronische Suizidalität
5. Persönlichkeitsnahe Störungen
- Borderline-Symptomatik (instabile Beziehungen, starke Affekte, Identitätsunsicherheit)
- Andere Cluster-B/C-Merkmale (z. B. vermeidend, abhängig, misstrauisch)
6. Dissoziative Störungen allgemein
- Depersonalisation/Derealisation
- Somatoforme Dissoziationen (z. B. Taubheit, Lähmungsgefühle, Krampfanfälle ohne organische Ursache)
7. Somatoforme und psychosomatische Beschwerden
- Chronische Schmerzen (z. B. Fibromyalgie-ähnlich)
- Magen-Darm-Probleme, Reizdarm
- Migräne, Schwindel, neurologische Symptome ohne Befund
8. Ess- und Suchtstörungen
- Essstörungen (Anorexie, Bulimie, Binge Eating)
- Suchterkrankungen (Alkohol, Medikamente, Drogen, Glücksspiel)
9. Schlafstörungen
- Schwere Albträume (traumabezogen)
- Insomnie oder extremes Schlafbedürfnis
10. Neurokognitive Belastungen
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Exekutivfunktions-Probleme (Planen, Entscheidungen, Alltag organisieren)