Die innere Landkarte

Eine innere Landkarte ist ein Bild oder eine Übersicht des eigenen Systems – also der Anteile, ihrer Beziehungen und Aufgaben. Sie hilft, sich im eigenen Inneren besser zu orientieren.

Stell dir vor, dein inneres System ist wie ein großes Land mit verschiedenen Städten, Dörfern und Wegen. Ohne Karte ist es schwer, sich zurechtzufinden: Man weiß nicht, wer wo ist, welche Wege es gibt und welche Grenzen man besser nicht überschreitet. Mit einer inneren Landkarte entsteht ein Überblick: „Ah, da gibt es diesen Anteil, dort ist jener, und hier verläuft die Grenze zwischen Schutz und Verletzlichkeit.“


Wozu dient eine innere Landkarte?

Orientierung: Wer gehört alles zum System?

Verständnis: Welche Aufgaben und Rollen haben die Anteile?

Beziehungsklärung: Welche Anteile stehen sich nahe, welche meiden sich?

Sicherheit: Mehr Überblick bedeutet weniger Chaos und Überraschungen.

Integration vorbereiten: Die Landkarte macht sichtbar, wie die Teile zusammengehören.


Formen der inneren Landkarte

Schriftlich

Liste aller bekannten Anteile mit Name, Alter, Aufgabe.

Kurze Stichpunkte zu Stärken, Bedürfnissen, Besonderheiten.

Grafisch

Kreise oder Kästchen für jeden Anteil, verbunden mit Linien (Freundschaft, Konflikt, Unbekannt).

Farbcode für Funktionen: z. B. Blau = Alltag, Rot = Schutz, Grün = Kind.

Symbolisch

Figuren, Steine oder Symbole, die die Anteile darstellen.

Aufgestellt auf einem Tisch oder Boden → räumliches Bild.


Beispiel: einfache Landkarte

In der Mitte: Alltagsanteil (arbeitet, organisiert).

Daneben: Schutzanteil (steht mit verschränkten Armen daneben).

Etwas entfernt: Kinderanteil (sitzt auf einem Stuhl, traurig).

Im Hintergrund: Kreativer Anteil (mit bunten Farben, aber noch scheu).

So eine Skizze reicht schon, um zu erkennen: „Ah, das sind die Verbindungen, so fühlen sie sich an.“


Wichtig zu wissen

Eine innere Landkarte ist nie fertig – sie wächst mit dem Erkennen neuer Anteile.

Sie ist individuell – niemand hat die gleiche Struktur wie jemand anderes.

Sie ist ein Hilfsmittel, kein Zwang: Anteile dürfen unbenannt bleiben oder Symbole statt Namen bekommen.

Eine innere Landkarte ist ein Werkzeug, das Ordnung ins Innere bringt. Sie zeigt: „Wir sind viele – und wir gehören zusammen.“ Das Wissen um die eigene innere Struktur nimmt Angst, schafft Orientierung und ist ein wichtiger Schritt zu mehr Kooperation im System.


Vorlage: Innere Landkarte

Schritt 1: Grundstruktur anlegen

Zeichne ein großes Blatt Papier oder öffne eine digitale Zeichnung.

In die Mitte kommt ein Kreis: „Ich / Selbst / Heute“.

Drumherum entstehen weitere Kreise für bekannte Anteile.

Schritt 2: Kreise für Anteile zeichnen

Kinderanteile: kleine Kreise, evtl. bunte Farben.

Jugendliche Anteile: mittlere Kreise, evtl. kräftige Farben.

Schutz- und Wächteranteile: rote Kreise oder mit Symbolen (z. B. Schild).

Alltagsanteile: neutrale Farben (z. B. blau oder grau).

Kreative Anteile: bunte, offene Formen.

Schritt 3: Verbindungen einzeichnen

Linie mit Herz → mögen sich, unterstützen sich.

Gestrichelte Linie → kennen sich nur wenig.

Zickzack-Linie → Konflikt oder Spannung.

Keine Linie → noch keine bewusste Verbindung.

Schritt 4: Infos ergänzen (optional)

Bei jedem Anteil kannst du kleine Stichworte notieren:

Name / Spitzname / Funktion

Alter (gefühlt oder real)

Aufgabe (z. B. Schutz, Alltag, Gefühle zeigen)

Bedürfnisse (z. B. Ruhe, Nähe, Musik)



Beispiel-Skizze (vereinfachte Version)


Mitte: „Alltags-Selbst“

Rechts daneben: „Schutzanteil“ (rote Linie, angespannt)

Links daneben: „Kinderanteil Lila“ (violetter Kreis, verbunden mit gestrichelter Linie)

Unten: „Kreativer Anteil“ (bunter Kreis, schwache Verbindung)

Oben: „Jugendlicher Anteil“ (grün, Zickzack-Linie zu Schutzanteil)