Diagnostische Hilfsmittel bei der Diagnose "Dissoziative Identiätsstörung"

Die Diagnose einer Dissoziativen Identitätsstörung erfordert Erfahrung, Zeit und verschiedene Instrumente. Es gibt nicht den einen Test, der sofort Sicherheit bringt, sondern ein Zusammenspiel aus Fragebögen, Interviews, Beobachtung und Ausschluss anderer Störungen. Jede Methode hat ihre eigene Funktion: Einige dienen als erstes Screening, andere gehen in die Tiefe und prüfen spezifische Formen der Dissoziation. Zusammen ermöglichen sie ein möglichst klares Bild.


DES (Dissociative Experiences Scale)

Screening-Fragebogen, misst alltägliche dissoziative Erfahrungen
28 Fragen, Selbstauskunft, gibt Hinweise, aber keine Diagnose

DES-T (Trauma-Scale)

Vertiefung der DES, stärker auf traumabezogene Dissoziation ausgerichtet
sensibler bei Traumafolgestörungen

SCID-D (Strukturiertes Klinisches Interview für Dissoziative Störungen)

Goldstandard in der Diagnostik
erfasst verschiedene Formen der Dissoziation
dauert 2–4 Stunden, nur durch geschulte Fachpersonen

MID (Multidimensional Inventory of Dissociation)

sehr umfangreicher Fragebogen mit über 200 Items
zeigt Muster verschiedener Anteile
häufig in den USA und international genutzt

ADOS-2 (Autism Diagnostic Observation Schedule)

eigentlich für Autismus gedacht
manchmal ergänzend genutzt, um Unterschiede zu Dissoziation sichtbar zu machen

Klinische Anamnese

ausführliches Gespräch über Lebensgeschichte, Symptome und Belastungen
Grundlage jeder Diagnostik

Beobachtung über Zeit

wiederholte Gespräche und Settings, da Anteile sich oft erst mit Vertrauen zeigen

Projektive Verfahren (z. B. Satzergänzung, Zeichnungen)

erfassen unbewusste Muster und Anteile
nicht standardisiert, aber als Hinweisgeber nutzbar

Neuropsychologische Tests

messen Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration
nicht spezifisch für DIS, aber ergänzend hilfreich

Differenzialdiagnostik

Abgrenzung zu Borderline, Schizophrenie, komplexer PTBS, Depression oder Autismus
unbedingt notwendig, um Fehldiagnosen zu vermeiden